Auf der Karte stehen Espresso, Americano und Lungo untereinander, und alle drei kommen aus derselben Maschine mit derselben Bohne. Trotzdem landet dreimal etwas anderes in der Tasse. Der Unterschied ist überraschend einfach zu begreifen, sobald man verfolgt, welchen Weg das Wasser nimmt.
Espresso: die Basis für alle drei
Der Espresso ist die Ausgangsform, aus der die beiden anderen entstehen. Für einen einfachen Bezug werden 7 bis 9 g fein gemahlener Kaffee im Sieb verdichtet, danach drückt die Maschine mit rund 9 bar heißes Wasser hindurch. In 25 bis 30 Sekunden laufen 25 bis 30 ml in die Tasse.
Diese Kombination aus feinem Mahlgrad, Druck und kurzer Zeit ist der Grund für das dichte Mundgefühl. Der Espresso trägt 8 bis 12 Prozent gelöste Feststoffe, während Filterkaffee bei 1,2 bis 1,4 Prozent liegt. Er ist damit grob das Achtfache konzentrierter, bei einem Bruchteil der Menge.
Die Crema oben drauf besteht aus Kohlendioxid, das beim Rösten in der Bohne entsteht und unter Druck als feine Emulsion mit den Kaffeeölen austritt. Sie hält sich einige Minuten und verschwindet danach von selbst.
Americano: Espresso plus heißes Wasser
Beim Americano bleibt der Espresso genau so, wie er ist. Er wandert in eine größere Tasse, und darüber kommen 60 bis 120 ml heißes Wasser. Fertig.
Der entscheidende Punkt steckt in der Extraktion: Sie bleibt exakt dieselbe. Alles, was aus dem Kaffeemehl herausgelöst wurde, war schon im Espresso. Das Wasser verteilt es lediglich auf mehr Volumen.
Daraus folgen drei Dinge, die sich in der Praxis bemerkbar machen:
- Das Aromaprofil bleibt gleich. Eine schokoladige Espressoröstung schmeckt im Americano weiterhin schokoladig, nur leiser.
- Das Koffein bleibt gleich. Es steckt vollständig im Espresso, Wasser bringt keines mit.
- Die Konzentration sinkt auf etwa ein Viertel. Bei 30 ml Espresso auf 90 ml Wasser kommt das Getränk auf rund 2 bis 3 Prozent gelöste Feststoffe.
Die verbreitete Erzählung zur Herkunft führt zu amerikanischen Soldaten in Italien während des Zweiten Weltkriegs, denen der Espresso zu stark war und die ihn mit Wasser streckten. Belegen lässt sich das schwer, der Name hat sich trotzdem gehalten.
Lungo: mehr Wasser durch dasselbe Kaffeemehl
Der Lungo sieht im Ergebnis ähnlich aus wie ein kleiner Americano und entsteht auf einem ganz anderen Weg. Hier läuft die Maschine einfach weiter: Statt bei 30 ml zu stoppen, lässt sie 50 bis 110 ml durch dieselbe Mehlmenge laufen. Die Bezugszeit steigt dabei auf 45 bis 60 Sekunden.
Das zusätzliche Wasser trifft auf ein Kaffeemehl, das seine gut löslichen Bestandteile schon abgegeben hat. Was jetzt noch herauskommt, sind die schwerlöslichen Stoffe, die am Ende der Extraktion an der Reihe sind: Bitterstoffe, Gerbstoffe und Abbauprodukte der Chlorogensäuren. Genau das schmeckt man.

Lungo und Americano trennen sich an einer einzigen Stelle: ob das Wasser durch das Kaffeemehl läuft oder daran vorbei.
Die drei Getränke in Zahlen
| Espresso | Lungo | Americano | |
|---|---|---|---|
| Kaffeemehl | 7–9 g | 7–9 g | 7–9 g |
| Wasser durchs Mehl | 25–30 ml | 50–110 ml | 25–30 ml |
| Wasser danach dazu | 0 ml | 0 ml | 60–120 ml |
| in der Tasse | 25–30 ml | 50–110 ml | 90–150 ml |
| Bezugszeit | 25–30 s | 45–60 s | 25–30 s |
| gelöste Feststoffe | 8–12 % | 5–8 % | 2–3 % |
| Koffein je Bezug | 60–80 mg | mehr als Espresso | wie sein Espresso |
| typischer Fehlgeschmack | zu sauer bei zu kurzem Lauf | bitter, hohl | wässrig bei zu viel Wasser |
Die Zeile mit dem Koffein beim Lungo bleibt bewusst ohne feste Zahl. Wie viel zusätzlich herausgelöst wird, hängt von Röstgrad, Mahlgrad und Bezugsmenge ab, und einen belastbaren Standardwert gibt es dafür nicht.
Warum der Lungo bitterer schmeckt als der Americano
Kaffee gibt seine Bestandteile in einer festen Reihenfolge ab. Zuerst lösen sich Säuren und leichte Aromen, danach Zucker und Karamellnoten, zuletzt Bitter- und Gerbstoffe. Ein guter Espresso stoppt genau dann, wenn die zweite Phase durch ist.
Der Lungo läuft in die dritte Phase hinein. Das Wasser, das nach 30 ml folgt, zieht überwiegend die Stoffe heraus, die man im Espresso bewusst zurückgelassen hat. Der typische Eindruck ist bitter mit einem hohlen, trockenen Abgang, oft beschrieben als „ausgelaugt“.
Der Americano umgeht das Problem vollständig. Er verdünnt ein Getränk, das an der richtigen Stelle gestoppt wurde. Wer also die Menge eines Filterkaffees will, ohne Bitterkeit in Kauf zu nehmen, ist beim Americano richtig.
Sauber machen lässt sich ein Lungo trotzdem, und der Hebel dafür ist der Mahlgrad. Wird er gröber gestellt, läuft das Wasser schneller durch, die Kontaktzeit sinkt, und die dritte Phase wird gar nicht erst vollständig erreicht. Genau diesen Weg gehen Vollautomaten beim Café Crema. Falls dein Kaffee grundsätzlich bitter ankommt, hilft die Ursachensuche im Ratgeber zu bitterem Kaffee aus der Maschine.
Koffein: wo mehr drinsteckt, als man denkt
Koffein löst sich sehr gut in Wasser und tritt darum früh aus. Der größte Teil ist bereits in den ersten 25 ml Espresso enthalten. Daraus ergibt sich eine Rangfolge, die viele überrascht:
- Americano = Espresso. Ein Americano aus einem einfachen Espresso liegt bei rund 60 bis 80 mg, aus einem doppelten bei etwa 120 bis 160 mg. Wasser bringt kein Koffein mit.
- Lungo > Espresso. Das zusätzliche Wasser holt weiteres Koffein aus dem Mehl. Wie viel, hängt von Mahlgrad und Bezugsmenge ab.
- Ristretto < Espresso. Der kurze Bezug von 15 bis 20 ml stoppt früher und liefert entsprechend etwas weniger.
Der verbreitete Eindruck, ein Espresso sei „das Stärkste“, verwechselt Konzentration mit Menge. Je Milliliter stimmt das, je Tasse liegt eine große Tasse Filterkaffee mit 200 ml und rund 90 mg darüber. Wie sich diese Werte gegen andere koffeinhaltige Getränke einordnen, steht im Ratgeber dazu, wie viel Kaffee einer Dose Red Bull entspricht.
Long Black: die Reihenfolge macht den Unterschied
In Australien und Neuseeland heißt das Getränk Long Black, und es unterscheidet sich vom Americano in einem einzigen Punkt: Das heiße Wasser kommt zuerst in die Tasse, der Espresso läuft anschließend hinein.
Der Effekt ist größer, als es klingt. Läuft der Espresso in Wasser hinein, bleibt die Crema als geschlossene Schicht oben liegen. Beim Americano zerschlägt der zugegebene Wasserstrahl sie, und mit ihr geht ein Teil der Aromen aus den Kaffeeölen verloren.
Praktisch heißt das: Wer zu Hause einen Americano macht, gießt am besten erst das Wasser in die Tasse und stellt sie dann unter den Auslauf. Das kostet nichts und bringt einen sichtbar besseren Kaffee. Der zweite Punkt ist die Wassertemperatur. Frisch kochendes Wasser liegt über dem Zielfenster von 92 bis 96 °C und verbrennt die feinen Noten. Eine Minute im offenen Kocher warten genügt.
Americano selbst zubereiten: das Verhältnis
Für den Anfang funktioniert ein festes Schema, das sich danach in beide Richtungen anpassen lässt:
| Verhältnis | Espresso | Wasser | Ergebnis | Charakter |
|---|---|---|---|---|
| 1 : 2 | 30 ml | 60 ml | 90 ml | kräftig, espressonah |
| 1 : 3 | 30 ml | 90 ml | 120 ml | ausgewogen, guter Startpunkt |
| 1 : 4 | 30 ml | 120 ml | 150 ml | mild, filterkaffeenah |
| 1 : 3 doppelt | 60 ml | 180 ml | 240 ml | große Tasse, volle Stärke |
Zwei Handgriffe machen den Unterschied zwischen einem guten und einem faden Americano:
- Tasse vorwärmen. 90 ml Wasser plus 30 ml Espresso in einer kalten Tasse landen schnell unter 60 °C. Ein kurzer Durchguss mit heißem Wasser löst das.
- Wasser zuerst. Die Reihenfolge aus dem Long Black funktioniert auch zu Hause und rettet die Crema.
Wer ohnehin am Siebträger steht, findet die Grundlagen zum sauberen Bezug im Ratgeber zum Cappuccino am Siebträger, dort steht auch, worauf es beim Espresso als Basis ankommt.
Café Crema, Verlängerter und Filterkaffee
Rund um die drei Getränke stehen weitere Begriffe, die leicht durcheinander geraten:
- Café Crema ist die schweizerisch-süddeutsche Variante des langen Bezugs: 120 bis 180 ml durch das Kaffeemehl, mit gröberem Mahlgrad, damit die Zeit im Rahmen bleibt. An Vollautomaten ist das die Standardtaste. Die Gegenüberstellung mit Mengen, Zeiten und Konzentration steht im Ratgeber Unterschied Espresso und Café Crema.
- Verlängerter heißt in Österreich, was hier Americano heißt: ein Espresso, der in der Tasse mit heißem Wasser gestreckt wird. Häufig wird das Wasser separat serviert.
- Filterkaffee entsteht ohne Druck, mit deutlich gröberem Mahlgrad und einer Kontaktzeit von mehreren Minuten. Das Ergebnis ist klarer und säurebetonter und trägt mit 1,2 bis 1,4 Prozent Feststoffen die geringste Konzentration der Gruppe.
- Ristretto ist der verkürzte Espresso mit 15 bis 20 ml. Er stoppt vor der Bitterphase und schmeckt dichter und süßer.
Welches Getränk zu welcher Bohne passt
Die Wahl der Bohne verschiebt das Ergebnis stärker, als viele erwarten:
- Dunkle Espressoröstung: ideal für Espresso und Americano. Im Lungo wird sie schnell rauchig und bitter, weil die poröse Struktur ohnehin leicht abgibt.
- Mittlere Röstung: die flexibelste Wahl. Sie trägt alle drei Zubereitungen und verzeiht auch einen etwas längeren Bezug.
- Helle Spezialitätenröstung: im Americano am stärksten, weil die fruchtige Säure durch die Verdünnung angenehm zugänglich wird. Im Lungo bleibt sie oft spitz.
Wie viel Kaffeemehl je Tasse sinnvoll ist und wie sich Dosierung und Menge zueinander verhalten, steht im Ratgeber zur Kaffeemenge pro Tasse.
Fazit
Ein Satz reicht für die ganze Unterscheidung: Der Lungo schickt mehr Wasser durch das Kaffeemehl, der Americano schickt es daran vorbei. Alles Weitere folgt daraus.
Wer die Menge eines Filterkaffees möchte und den Charakter seiner Espressobohne behalten will, nimmt den Americano im Verhältnis 1 zu 3 und gießt das Wasser zuerst in die Tasse. Wer den Lungo mag, sollte den Mahlgrad eine Stufe gröber stellen, dann bleibt die Bitterkeit außen vor.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Espresso und Americano?
Der Americano ist ein fertiger Espresso, der in der Tasse mit heißem Wasser verlängert wird. Die Extraktion ist bei beiden identisch, es kommt nur Wasser dazu. Aus 25 bis 30 ml Espresso werden dabei 90 bis 150 ml Getränk. Geschmack und Koffeinmenge bleiben dieselben, die Konzentration sinkt auf etwa ein Viertel.
Was ist der Unterschied zwischen Lungo und Americano?
Beim Lungo läuft mehr Wasser durch dasselbe Kaffeemehl, beim Americano fließt das zusätzliche Wasser am Kaffeemehl vorbei direkt in die Tasse. Deshalb löst der Lungo mehr Stoffe aus dem Mehl heraus, darunter die spät austretenden Bitter- und Gerbstoffe. Der Americano behält den Geschmack des Espressos und wird nur dünner.
Hat ein Americano mehr Koffein als ein Espresso?
Nein, er hat genau so viel. Das Koffein steckt komplett im Espresso, das zugegebene Wasser bringt keines mit. Ein Americano aus einem einfachen Espresso liegt damit bei rund 60 bis 80 mg, aus einem doppelten bei etwa 120 bis 160 mg. Ein Lungo liegt höher als der Espresso, weil zusätzliches Wasser weiteres Koffein aus dem Mehl löst.
Wie viel Wasser kommt in einen Americano?
Gängig sind zwei bis vier Teile Wasser auf einen Teil Espresso. Auf einen einfachen Espresso von 30 ml kommen also 60 bis 120 ml Wasser. Ein guter Startpunkt ist 1 zu 3, das ergibt eine Tasse von rund 120 ml. Wer es kräftiger mag, nimmt einen doppelten Espresso und bleibt bei derselben Wassermenge.
Schmeckt ein Americano wie Filterkaffee?
Er ähnelt ihm in der Menge, im Geschmack bleibt der Unterschied deutlich. Ein Americano trägt das Röstprofil einer Espressobohne und ist mit rund 2 bis 3 Prozent gelösten Feststoffen etwa doppelt so konzentriert wie Filterkaffee mit 1,2 bis 1,4 Prozent. Filterkaffee wird zudem mit gröberem Mahlgrad und ohne Druck gebrüht, was ein klareres und säurebetonteres Bild ergibt.
Was ist ein Long Black?
Ein Long Black ist ein Americano mit umgekehrter Reihenfolge: Zuerst kommt das heiße Wasser in die Tasse, danach läuft der Espresso hinein. Dadurch bleibt die Crema oben liegen, statt vom Wasserstrahl zerschlagen zu werden. Aroma und Optik gewinnen dabei spürbar, die Zutaten sind dieselben.
Kann ich einen Americano im Kaffeevollautomaten machen?
Ja. Viele Geräte haben eine eigene Taste dafür oder bieten einen Heißwasserbezug an. Falls beides fehlt, beziehst du einen Espresso in eine größere Tasse und gibst Wasser aus dem Wasserkocher dazu. Die Programmtaste „Café Crema“ ist etwas anderes, dort läuft mehr Wasser durch das Mehl.
Ist ein Lungo dasselbe wie ein Café Crema?
Beide entstehen dadurch, dass mehr Wasser durch das Kaffeemehl läuft, sie zielen aber auf unterschiedliche Mengen. Ein Lungo liegt bei 50 bis 110 ml, ein Café Crema bei 120 bis 180 ml. Für den Café Crema wird der Mahlgrad zusätzlich gröber gestellt, damit die größere Wassermenge in vertretbarer Zeit durchläuft und der Kaffee nicht überextrahiert.