Kaffeevollautomat reinigen und entkalken: die Reihenfolge

Reinigen und entkalken am Kaffeevollautomaten: der Unterschied, die richtige Reihenfolge, die Intervalle nach Wasserhärte und was Hausmittel anrichten.

Kaffeevollautomaten Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Zwei Aufgaben, zwei Wege durch die Maschine
  2. Die Reihenfolge: erst reinigen, dann entkalken
  3. Wie oft entkalken? Die Wasserhärte gibt den Takt vor
  4. Wasserhärte herausfinden und einstellen
  5. Das Entkalkungsprogramm im Ablauf
  6. Essig, Zitronensäure und andere Hausmittel
  7. Was der Wasserfilter daran ändert
  8. Was passiert, wenn du die Aufforderung ignorierst
  9. Fazit
  10. Häufige Fragen

Fast jeder Kaffeevollautomat meldet beides irgendwann an, und in der Küche landen dann zwei Packungen nebeneinander: Tabletten und Entkalker. Die Frage, was zuerst kommt und ob überhaupt beides nötig ist, taucht dabei zuverlässig auf. Sie hat eine klare Antwort, und die ergibt sich aus dem, was die beiden Mittel jeweils tun und welchen Weg sie durch die Maschine nehmen.

Zwei Aufgaben, zwei Wege durch die Maschine

Kaffeevollautomaten haben zwei getrennte Verschmutzungsprobleme, und sie liegen an verschiedenen Orten im Gerät.

Auf der Kaffeeseite setzt sich Fett ab. Die Bohnen bringen je nach Art rund 10 bis 17 % Öl mit, ein Teil davon bleibt in Brühkammer, Sieben und Auslauf zurück, oxidiert dort und schmeckt nach kurzer Zeit ranzig. Dagegen hilft ein alkalischer Reiniger, also die Tablette im Pulverschacht.

Auf der Wasserseite setzt sich Kalk ab. Calcium und Magnesium aus dem Leitungswasser fallen beim Erhitzen als Calciumcarbonat aus und legen sich auf Heizkörper, Leitungen und Ventile. Dagegen hilft eine Säure, also der Entkalker im Wassertank.

ReinigenEntkalken
GegnerKaffeefett und KaffeeöleKalk (Calciumcarbonat)
Mittelalkalische ReinigungstabletteSäure, meist Amidosulfon- oder Milchsäure
WohinPulverschachtWassertank
Weg im GerätBrühgruppe, Brühkammer, AuslaufTank, Pumpe, Boiler, Leitungen, Ventile
AuslöserZahl der BezügeWassermenge und Wasserhärte
Intervallungefähr monatlich4 bis 13 Wochen je nach Härte
Anzeichen, wenn überfälligbitterer, ranziger Geschmacklange Aufheizzeit, laute Pumpe, kühler Kaffee

Weil die beiden Mittel chemisch gegensätzlich arbeiten, dürfen sie sich nie begegnen. Alkalischer Reiniger und saure Entkalkerlösung neutralisieren sich gegenseitig, es schäumt kurz auf und übrig bleiben Salze ohne Wirkung.

Die Reihenfolge: erst reinigen, dann entkalken

Zweiteilige Grafik. Oben der Ablauf an einem Wartungstag in fünf Stationen: Wasserfilter aus dem Tank nehmen, reinigen mit Tablette im Brühweg, mit klarem Wasser zwischenspülen, entkalken mit Säure im Wasserweg, neuen Filter einsetzen und nachspülen. Unten ein Balkendiagramm zum Entkalkungsintervall nach Wasserhärte bei rund vier Tassen am Tag: weiches Wasser bis 8,4 Grad deutscher Härte alle 13 Wochen, mittleres Wasser bis 14 Grad alle 9 Wochen, hartes Wasser bis 21 Grad alle 6 Wochen, über 21 Grad alle 4 Wochen. Eine gestrichelte Linie bei vier Wochen markiert das Reinigungsintervall, das unabhängig von der Wasserhärte ungefähr monatlich anfällt.

Das Reinigen fällt in festem Monatstakt an, das Entkalken je nach Wasserhärte drei- bis dreizehnwöchig.

Drei Gründe sprechen für diese Reihenfolge:

  • Der Entkalkungsgang spült zuletzt. Er schickt mehrere Liter Wasser durch Boiler, Leitungen und Auslauf. Was der Reiniger vorher gelöst hat und was von ihm selbst im System steht, geht dabei mit.
  • Der Wasserweg ist danach frei. Der Entkalker arbeitet in Leitungen, durch die vorher schon die Spülgänge des Reinigungsprogramms gelaufen sind.
  • Der Filter wird nur einmal angefasst. Vor dem Entkalken muss er heraus, danach kommt ein neuer hinein. Das Reinigungsprogramm lässt ihn unberührt.

Beides an einem Tag ist der übliche Weg. Zwischen die beiden Programme gehört ein Spülgang mit klarem Wasser, damit sich Reiniger und Säure nirgends begegnen. Zusammen dauert der Wartungstermin rund eine Stunde, wovon du selbst vielleicht zehn Minuten beschäftigt bist.

Fordert die Maschine von sich aus nur eines der beiden Programme an, führst du dieses aus. Ihre eigene Reihenfolge hat Vorrang vor jeder Faustregel, denn sie rechnet mit Bezugszählern und Wassermengen, die du von außen nicht siehst.

Wie oft entkalken? Die Wasserhärte gibt den Takt vor

Kalk entsteht aus dem, was im Leitungswasser gelöst ist. Deshalb hängt das Intervall am Wohnort, und zwischen weichem und sehr hartem Wasser liegt der Faktor drei.

Die deutschen Härtebereiche sind gesetzlich festgelegt:

HärtebereichGrad deutscher HärteMillimol Calciumcarbonat je Liter
weichbis 8,4 °dHunter 1,5 mmol/l
mittel8,4 bis 14 °dH1,5 bis 2,5 mmol/l
hartab 14 °dHüber 2,5 mmol/l

Die Maschinen unterteilen feiner, weil der offene Bereich „hart” nach oben keine Grenze kennt. Üblich sind vier Härtestufen, die den gesetzlichen Bereich „hart” noch einmal bei rund 21 °dH auftrennen. Daraus ergeben sich die folgenden Entkalkungsabstände, gerechnet als Orientierung bei rund vier Tassen am Tag; entscheidend bleibt der Zähler der Maschine:

WasserhärteEntkalken etwa alleBei 8 Tassen am Tag
bis 8,4 °dH (weich)13 Wochen7 Wochen
8,4 bis 14 °dH (mittel)9 Wochen5 Wochen
14 bis 21 °dH (hart)6 Wochen3 Wochen
über 21 °dH (sehr hart)4 Wochen2 Wochen

Das Reinigungsintervall bleibt davon unberührt. Es hängt allein an der Zahl der Bezüge und liegt bei durchschnittlicher Nutzung ungefähr im Monatstakt. Bei hartem Wasser fallen beide Termine damit fast zusammen, bei weichem Wasser reinigst du drei- bis viermal, bevor einmal entkalkt wird.

Wasserhärte herausfinden und einstellen

Es gibt drei verlässliche Wege zur eigenen Wasserhärte:

  • Beim Wasserversorger nachsehen. Die Härte ist Teil der jährlichen Trinkwasseranalyse, die jeder Versorger veröffentlicht, meist als PDF auf der eigenen Website. Dort steht sie in °dH oder in mmol/l.
  • Den Streifen aus dem Karton nutzen. Vielen Maschinen liegt ein Streifen zur Wasserhärte bei: eine Sekunde ins kalte Wasser halten, eine Minute warten, Farbfelder ablesen.
  • Beim Vermieter oder in der Hausverwaltung fragen, falls eine Enthärtungsanlage im Haus arbeitet. Dann weicht der Wert von der Angabe des Versorgers ab.

Der gemessene Wert gehört anschließend ins Menü der Maschine. Die meisten Geräte kennen vier Härtestufen von weich bis sehr hart, manche erlauben die direkte Eingabe in °dH. Diese Einstellung steuert, wann die Aufforderung kommt, und eine falsche Angabe wirkt in beide Richtungen: Zu weich eingestellt lässt die Maschine den Kalk zu lange arbeiten, zu hart eingestellt fordert sie unnötige Durchgänge, die Material und Geld kosten.

Das Entkalkungsprogramm im Ablauf

  1. Wasserfilter entnehmen. Die Säure zerstört das Ionenaustauscher-Harz, und der Filter schwächt umgekehrt die Wirkung des Entkalkers.
  2. Tropfschale und Tresterbehälter leeren, damit die Spülmengen Platz finden.
  3. Entkalker ansetzen. Dosierung nach Packungsangabe, danach den Tank bis zur vorgesehenen Markierung mit kaltem Wasser auffüllen.
  4. Gefäß unterstellen. Unter Auslauf und Dampfdüse gehören zusammen mindestens 1 bis 1,5 Liter Fassungsvermögen.
  5. Programm starten. Je nach Modell dauert es 20 bis 45 Minuten, mit Pausen, in denen die Lösung einwirkt. Die Maschine spült dabei auch die Dampf- und Heißwasserdüse durch, weil dort ebenfalls Kalk sitzt.
  6. Nachspülen. Tank ausspülen, mit klarem Wasser füllen, Spülprogramm laufen lassen. Viele Maschinen fordern zwei Durchgänge an.
  7. Neuen Filter einsetzen und den Wechsel im Menü bestätigen.
  8. Ersten Kaffee verwerfen.

Ein abgebrochenes Programm lässt Entkalkerlösung im Boiler stehen. Falls es passiert, das Programm neu starten oder ersatzweise zwei volle Tankfüllungen über Auslauf und Dampfdüse durchspülen.

Der Ablauf des Reinigungsprogramms ist kürzer und läuft über den Pulverschacht. Er steht im Detail im Ratgeber zum Reinigen bei fest verbauter Brühgruppe. Bei Maschinen mit herausnehmbarer Brühgruppe kommt der Handgriff am Bauteil selbst dazu, beschrieben im Ratgeber zum Reinigen der Brühgruppe.

Essig, Zitronensäure und andere Hausmittel

Der Reiz ist verständlich, weil beides in fast jedem Haushalt steht. Der Blick auf die Wirkung im Gerät fällt trotzdem eindeutig aus:

  • Essig und Essigessenz. Essigsäure löst Kalk zuverlässig und greift dabei Gummidichtungen, Aluminium und Lötstellen mit an. Dazu setzt sich der Geruch in Schläuchen und Dichtungen fest und begleitet die nächsten Tassen. Die Hersteller schließen Essig in ihren Handbüchern aus, was im Schadensfall auch die Gewährleistung berührt.
  • Zitronensäure. Sie arbeitet in kaltem Wasser gut, in der Hitze eines Boilers kann sie mit Calcium jedoch Calciumcitrat bilden, einen schwer löslichen weißen Belag, der Ventile und enge Leitungen zusetzt. Genau dort, wo entkalkt werden soll, entsteht damit ein neues Problem.
  • Backpulver und Natron. Beide sind basisch. Kalk braucht eine Säure, um sich zu lösen, deshalb passiert außer Schaum und Rückständen nichts.
  • Amidosulfonsäure und Milchsäure. Das sind die Wirkstoffe der meisten Marken-Entkalker. Sie lösen Kalk gut, sind geruchsneutral und werden mit Korrosionsschutz kombiniert, der Metalle und Dichtungen schont.

Gerechnet auf den Durchgang liegt der Preisunterschied bei wenigen Euro. Gegen eine Pumpe oder einen Thermoblock gerechnet ist das eine sehr kleine Zahl.

Was der Wasserfilter daran ändert

Ein Wasserfilter im Tank tauscht über ein Ionenaustauscher-Harz einen Teil des Calciums und Magnesiums aus und nimmt mit seiner Aktivkohle Chlor und Geschmacksstoffe mit. Für den Kalk bedeutet das: weniger Nachschub, also längere Abstände zwischen den Entkalkungsgängen.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ersetzt der Filter das Entkalken bei den meisten Systemen nicht vollständig, er streckt das Intervall. Zweitens funktioniert das nur, solange der Filter frisch ist; ein erschöpftes Harz bindet nichts mehr und wird selbst zum Keimträger. Einzelne Systeme gehen weiter: Philips gibt für AquaClean an, dass bei rechtzeitigem Filterwechsel bis zu 5.000 Tassen ohne Entkalken möglich sind.

Wann welcher Filter fällig ist und wie der Wechsel abläuft, steht im Ratgeber zum Wechsel des Wasserfilters.

Was passiert, wenn du die Aufforderung ignorierst

Beim Entkalken wächst die Kalkschicht auf dem Heizkörper. Sie wirkt wie eine Isolierung, die Maschine heizt länger, zieht mehr Strom und liefert trotzdem kühleren Kaffee. Gleichzeitig verengen die Ablagerungen den Querschnitt in Leitungen und Ventilen: Die Pumpe arbeitet lauter, die Durchflussmenge sinkt, Bezüge brechen ab. Viele Geräte sperren nach einer bestimmten Zahl weiterer Bezüge die Kaffeefunktion, bis das Programm gelaufen ist.

Beim Reinigen kippt zuerst der Geschmack, weil oxidiertes Kaffeefett ranzig-bitter durchschlägt. Danach setzen sich die Siebe zu, der Bezug wird langsam und die Crema blass. Am Ende steht die Mechanik, weil die Brühgruppe schwergängig wird und der Antrieb dagegen arbeitet.

Beide Wege enden bei einem Gerät, das im Verhältnis zu seinem Neupreis teuer zu reparieren ist. Der jährliche Aufwand für Tabletten und Entkalker liegt dagegen im Bereich weniger Kaffeepackungen.

Fazit

Reinigen und Entkalken sind zwei getrennte Aufgaben mit getrennten Mitteln und getrennten Wegen durch die Maschine. Die Reihenfolge lautet erst reinigen, dann entkalken, mit einem Spülgang dazwischen und ohne die beiden Mittel je zusammenzubringen.

Der wichtigste einmalige Handgriff ist die richtige Härtestufe im Menü. Sie steuert, wann die Maschine sich meldet, und macht damit jede Faustregel überflüssig. Wer sie einmal sauber einstellt, kann sich danach auf die Aufforderungen des Geräts verlassen und muss nur noch dem Impuls widerstehen, sie wegzudrücken.

Häufige Fragen

In welcher Reihenfolge reinigt und entkalkt man einen Kaffeevollautomaten?

Erst reinigen, dann entkalken. Das Reinigungsprogramm löst das Kaffeefett im Brühweg, danach läuft der Entkalker durch einen freien Wasserweg und nimmt mit seinen Spülgängen die letzten Reste des Reinigers gleich mit. Praktisch spricht ein zweiter Grund dafür: Vor dem Entkalken muss der Wasserfilter heraus, nach dem Entkalken kommt ein neuer hinein. Wer zuerst reinigt, fasst den Filter nur einmal an.

Was ist der Unterschied zwischen Reinigen und Entkalken?

Es sind zwei Aufgaben mit unterschiedlichen Gegnern und unterschiedlichen Wegen durch die Maschine. Reinigen richtet sich mit einer alkalischen Tablette gegen Kaffeefett im Brühweg, also gegen Brühgruppe, Brühkammer und Auslauf. Entkalken richtet sich mit einer Säure gegen Kalk im Wasserweg, also gegen Tank, Pumpe, Boiler, Leitungen und Ventile. Ein Mittel ersetzt das andere nie.

Wie oft muss ein Kaffeevollautomat entkalkt werden?

Das hängt an der Wasserhärte und an der durchgelaufenen Wassermenge. Als Orientierung bei rund vier Tassen am Tag: bei weichem Wasser bis 8,4 °dH etwa alle drei Monate, bei mittlerem Wasser alle zwei Monate, bei hartem Wasser alle sechs Wochen und ab 21 °dH ungefähr monatlich. Die Maschine rechnet das selbst aus, sobald im Menü die richtige Härtestufe eingestellt ist.

Kann man Reinigen und Entkalken am selben Tag machen?

Ja, nacheinander und mit einem Spülgang dazwischen. Zusammen in einem Durchgang funktioniert es nicht: Der alkalische Reiniger und die saure Entkalkerlösung neutralisieren sich gegenseitig, es schäumt, und übrig bleiben Salze statt Wirkung. Beide Programme brauchen zusammen rund eine Stunde, die meiste Zeit davon läuft die Maschine allein.

Kann man mit Essig oder Zitronensäure entkalken?

Beides löst zwar Kalk, beides bringt aber eigene Probleme mit. Essigsäure greift Dichtungen, Aluminium und Lötstellen an, und der Geruch hält sich lange in den Schläuchen. Zitronensäure kann in der Hitze mit Calcium schwer lösliches Calciumcitrat bilden, einen festen weißen Belag, der Ventile zusetzt. Marken-Entkalker arbeiten meist mit Amidosulfonsäure oder Milchsäure plus Korrosionsschutz und kosten je Durchgang nur wenige Euro.

Muss der Wasserfilter beim Entkalken raus?

Ja, vor jedem Entkalkungsgang. Die Entkalkerlösung zerstört das Ionenaustauscher-Harz im Filter, und umgekehrt bindet der Filter einen Teil der Säure und schwächt so die Wirkung. Nach dem Programm kommt ein neuer Filter in den Tank, der Wechsel wird im Menü bestätigt. Beim Reinigungsprogramm darf der Filter dagegen im Tank bleiben.

Was passiert, wenn man die Entkalkungsaufforderung ignoriert?

Kalk legt sich als isolierende Schicht auf den Heizkörper, dadurch heizt die Maschine länger, verbraucht mehr Strom und der Kaffee kommt kühler in die Tasse. Gleichzeitig verengt sich der Querschnitt in den Leitungen, die Pumpe wird lauter und die Durchflussmenge sinkt. Viele Maschinen sperren die Kaffeefunktion nach einer bestimmten Zahl weiterer Bezüge, bis das Programm gelaufen ist.

Was tun, wenn das Entkalkungsprogramm abgebrochen wurde?

Entkalkerlösung steht dann noch im Boiler und in den Leitungen. Nach dem Wiedereinschalten das Programm neu starten, sofern die Maschine es anbietet. Andernfalls den Tank gründlich ausspülen, mit klarem Wasser füllen und mehrere Spülgänge über Auslauf und Dampfdüse fahren, mindestens zwei volle Tankfüllungen. Die ersten beiden Kaffees danach gehören in den Ausguss.

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