Jede Tasse bewegt die Brühgruppe einmal hin und zurück: Kolben rauf, pressen, brühen, Kolben runter, Trester auswerfen. Damit das über Tausende Bezüge leicht läuft, sitzt auf den Gleitstellen ein dünner Film Fett. Heißes Wasser wäscht ihn nach und nach aus. Diese Anleitung zeigt, welche Stellen neues Fett brauchen, welche nie, und was die Hersteller dazu vorgeben.
Wozu das Fett in der Brühgruppe da ist
Die Brühgruppe ist das bewegliche Herz des Vollautomaten. Ein Motor fährt sie bei jedem Bezug über Führungsschienen und eine Welle in Position, ein Kolben presst das Kaffeemehl, und Dichtringe am Kolben schließen die Brühkammer, damit das Wasser mit Druck durch das Kaffeebett läuft.
Das Fett übernimmt dabei zwei Aufgaben:
- Gleiten. Kunststoff auf Kunststoff reibt. Ein dünner Fettfilm senkt die Reibung an Schienen und Welle, der Motor arbeitet mit weniger Kraft, und die Teile verschleißen langsamer.
- Dichten. Gefettete Dichtringe gleiten sauber durch den Zylinder und legen sich gleichmäßig an. Trockene Ringe ruckeln, verdrehen sich und werden schneller undicht.
Das Problem: Die Brühgruppe arbeitet mit heißem Wasser und Kaffeefett, beides löst den Schmierfilm mit der Zeit. Das Fett ab Werk hält deshalb nur eine Weile, danach kehrt das Fetten in festen Abständen wieder.
Muss jede Brühgruppe gefettet werden?
Die Vorgaben gehen je nach Hersteller weit auseinander. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was in den Anleitungen steht:
| Hersteller | Brühgruppe | Vorgabe zum Fetten |
|---|---|---|
| Philips, Saeco | herausnehmbar | nach jeweils 500 Tassen oder monatlich schmieren (Anleitung HD8821) |
| De’Longhi | herausnehmbar | keine Vorgabe, mindestens monatlich einweichen und nur mit Wasser spülen (Magnifica Start) |
| Siemens | herausnehmbar | keine Vorgabe, ohne Spülmittel reinigen und trocknen lassen (EQ.6) |
| Melitta | herausnehmbar | keine Vorgabe, wöchentlich unter fließendem Wasser abspülen (Caffeo Solo) |
| JURA, Krups | fest verbaut | kein Zugriff, das übernimmt der Service |
Nur Philips und Saeco schreiben das Fetten also ausdrücklich vor. Bei den übrigen Herstellern mit herausnehmbarer Brühgruppe steht es nicht in der Anleitung, Werkstätten und Service-Anleitungen fetten Führungen und Dichtungen aber auch dort. Die Faustregel für diese Geräte: Fetten, sobald die Brühgruppe Anzeichen von Trockenheit zeigt, und nach jeder gründlichen Reinigung, bei der das alte Fett abgewaschen wurde.
Bei fest verbauten Brühgruppen, wie sie JURA und Krups einsetzen, gibt es von außen nichts zu fetten. Wie die Pflege dort funktioniert, beschreibt der Ratgeber zum Vollautomaten ohne herausnehmbare Brühgruppe.
Das richtige Fett
In der Brühgruppe kommt das Fett mit Trinkwasser und Kaffee in Kontakt und arbeitet bei Temperaturen nahe dem Siedepunkt. Daraus ergeben sich drei Anforderungen:
- Lebensmittelecht. Technische Schmierstoffe für den Lebensmittelbereich tragen eine NSF-H1-Registrierung. Sie dürfen dort eingesetzt werden, wo ein zufälliger Kontakt mit Lebensmitteln möglich ist.
- Silikonbasis. Silikonfett ist wasserabweisend, geschmacksneutral und bleibt über einen weiten Temperaturbereich stabil.
- Hitzebeständig. OKS gibt für das eigene Multi-Silikonfett 1110 einen Temperaturbereich von minus 40 bis 200 °C an und nennt Heiß- und Kaltwasserarmaturen ausdrücklich als Einsatzgebiet.
Philips bietet für die eigenen Geräte das Brühgruppenfett HD5061 an, ein lebensmittelechtes Silikonfett in einer kleinen Tube mit wenigen Gramm. Das reicht für viele Anwendungen, weil jeweils nur ein dünner Film gebraucht wird.
| Mittel | geeignet | Grund |
|---|---|---|
| Silikonfett, lebensmittelecht (z. B. HD5061, NSF H1) | ja | wasserabweisend, geschmacksneutral, hitzefest |
| Speiseöl, Margarine, Butter | nein | wird ranzig, der Geschmack wandert in den Kaffee |
| Vaseline, Mineralfett | nein | lässt typische Dichtungswerkstoffe aufquellen |
| Silikonspray | nein | enthält Treib- und Lösemittel, verteilt sich unkontrolliert |
| Kupferpaste, Lagerfett aus der Werkstatt | nein | nicht für den Lebensmittelkontakt vorgesehen |
Welche Stellen Fett bekommen und welche nie
Die Regel ist einfach: Fett gehört an alles, was gleitet, und an nichts, was durchströmt wird.

Fett gehört an die Gleitstellen außen. Sieb, Brühkammer und Auslauf bleiben immer fettfrei.
Diese Stellen bekommen Fett:
- Seitliche Führungsschienen. Über sie fährt die Brühgruppe beim Einsetzen und bei jedem Bezug. Philips nennt sie ausdrücklich: Fett gleichmäßig auf beide seitlichen Führungen auftragen.
- Die Welle. Über sie greift der Antrieb in die Brühgruppe. Auch sie steht in der Philips-Anleitung.
- Dichtringe am Kolben. Bei Brühgruppen mit Kolben, etwa bei Melitta, fetten Service-Anleitungen die Dichtringe mit einem Hauch Fett zwischen Daumen und Zeigefinger ein.
Diese Stellen bleiben fettfrei:
- Das Brühsieb und die Siebfläche am Kolben. Fett verklebt die feinen Öffnungen und landet direkt im Kaffee.
- Die Brühkammer innen, in der das Kaffeemehl liegt.
- Auslaufkanal und Ventile, durch die der fertige Kaffee fließt.
Schritt für Schritt: die Brühgruppe fetten
Die Reihenfolge ist bei allen herausnehmbaren Brühgruppen ähnlich. Maßgeblich bleibt die Anleitung deines Geräts, vor allem beim Ausbauen.
- Gerät ausschalten und die Brühgruppe entnehmen. Bei den meisten Geräten geht das nur im ausgeschalteten Zustand, damit sie in der Grundstellung steht.
- Mit Wasser reinigen. Unter fließendem, lauwarmem Wasser Kaffeereste und altes Fett abspülen. Philips verlangt das vor jedem Schmieren ausdrücklich. Spülmittel und Spülmaschine sind tabu, beide waschen das Fett ohnehin aus.
- Vollständig trocknen lassen. Auf nassem Kunststoff haftet das Fett nicht. Am einfachsten liegt die Brühgruppe dafür über Nacht auf einem Tuch.
- Fett auftragen. Eine kleine Menge auf die Fingerkuppe, dann dünn und gleichmäßig auf beide Führungsschienen und die Welle streichen. Bei Kolben-Brühgruppen die Dichtringe mit einem Hauch Fett drehend einreiben.
- Überschuss abnehmen. Sichtbare Wülste mit einem Tuch entfernen, vor allem in der Nähe des Siebs.
- Einsetzen und einrasten lassen. Die Brühgruppe muss leichtgängig in ihre Führung gleiten. Hakt es, steht sie meist nicht in der Grundstellung.
- Den ersten Kaffee wegschütten. Service-Anleitungen empfehlen das, weil Fettspuren beim ersten Bezug mitkommen können.
Die gründliche Reinigung vor dem Fetten ist dieselbe wie bei der normalen Pflege. Den ausführlichen Ablauf mit Intervallen beschreibt der Ratgeber zum Brühgruppe reinigen.
Wie viel Fett ist richtig?
Weniger, als die meisten denken. Das Fett soll einen dünnen, gleichmäßigen Film bilden, der die Oberfläche leicht glänzen lässt. Für einen Melitta-Brühkolben nennen Service-Anleitungen eine erbsengroße Menge, verteilt auf den ganzen Kolben mit Ausnahme des Siebs.
Zu viel Fett richtet mehr Schaden an als zu wenig:
- Überschüssiges Fett wird beim Brühen herausgedrückt und landet im Kaffee.
- Es bindet Kaffeemehl und bildet eine klebrige Paste auf den Schienen, die die Brühgruppe eher bremst.
- In Nähe des Siebs kann es die Öffnungen zusetzen.
Eine Philips-Tube mit wenigen Gramm reicht bei richtiger Dosierung deshalb sehr lange.
Wie oft: Intervalle nach Nutzung
Philips gibt mit 500 Tassen oder einem Monat die einzige feste Vorgabe. Das Intervall passt auch als Orientierung für andere Geräte, wenn du es an deine Nutzung anpasst:
| Nutzung | Tassen pro Monat | sinnvoller Rhythmus |
|---|---|---|
| 1 bis 2 Tassen am Tag | 30 bis 60 | alle 2 bis 3 Monate, bei Anzeichen früher |
| 4 Tassen am Tag | rund 120 | alle 1 bis 2 Monate |
| Büro, 15 Tassen am Tag | rund 450 | monatlich |
| mehr als 500 Tassen im Monat | über 500 | nach je 500 Tassen |
Die Zeitgrenze hat einen Grund: Auch eine wenig genutzte Brühgruppe wird bei jedem Spülgang mit heißem Wasser durchgespült, und das Fett trocknet mit der Zeit aus. Nach einem Reinigungsprogramm mit Tablette oder einer gründlichen Handreinigung ist ein guter Zeitpunkt zum Nachfetten, weil dabei ohnehin Fett verloren geht.
Anzeichen, dass die Brühgruppe Fett braucht
Die Brühgruppe meldet sich meist, bevor ein Schaden entsteht:
- Knarzen oder Quietschen während des Brühvorgangs, besonders beim Pressen.
- Schwergängiges Einsetzen oder Herausnehmen. Die Brühgruppe lässt sich nur mit Kraft in die Führung schieben.
- Stumpfe, trockene Führungsschienen, auf denen kein Glanz mehr zu sehen ist.
- Ruckelnde Bewegung, hörbar als ungleichmäßiges Motorgeräusch.
Bleibt die Brühgruppe ganz stecken, reicht Fett allein oft nicht mehr. Welche Ursachen dann in Frage kommen und wie du sie löst, steht im Ratgeber zur Brühgruppe, die klemmt.
Fehler, die das Fett auswaschen
Einige Pflegegewohnheiten entfernen den Schmierfilm schneller, als jedes Intervall ihn nachliefern kann:
- Spülmaschine. Hohe Temperatur und alkalischer Reiniger waschen das Fett vollständig aus. De’Longhi, Siemens und Melitta schließen die Spülmaschine für die Brühgruppe ausdrücklich aus.
- Spülmittel. Auch in der Spüle löst es das Fett und hinterlässt Tenside im Kunststoff. De’Longhi und Siemens verlangen, die Brühgruppe nur mit Wasser zu reinigen.
- Heißes Wasser beim Abspülen. Lauwarm reicht, um Kaffeereste zu lösen, und schont den Film.
- Geschirrspültabs im Reinigungsprogramm. Die Überdosis Lauge greift das Fett ebenfalls an. Warum sie im Vollautomaten generell fehl am Platz sind, erklärt der Ratgeber zum Reinigen mit Geschirrspültabs.
Fazit
Das Fetten der Brühgruppe dauert fünf Minuten und schützt das teuerste bewegliche Bauteil im Vollautomaten. Bei Philips und Saeco ist es Pflicht, nach 500 Tassen oder monatlich, bei anderen Herstellern mit herausnehmbarer Brühgruppe eine sinnvolle Ergänzung, sobald sie trocken wirkt oder knarzt.
Entscheidend sind drei Dinge: lebensmittelechtes Silikonfett, ein dünner Film nur an den Gleitstellen und eine saubere, trockene Brühgruppe vor dem Auftragen. Das Sieb bleibt immer fettfrei. Wer dazu Spülmaschine und Spülmittel von der Brühgruppe fernhält, muss seltener nachfetten und hört vom Antrieb über Jahre nicht mehr als das gewohnte Brummen.
Häufige Fragen
Wie oft muss man die Brühgruppe fetten?
Philips schreibt in der Anleitung der HD8821 vor, die Brühgruppe nach jeweils 500 Tassen oder einmal monatlich zu schmieren, je nachdem, was zuerst eintritt. Andere Hersteller nennen kein Intervall. Als Richtwert für Geräte ohne Vorgabe gilt: fetten, sobald die Brühgruppe beim Herausnehmen trocken wirkt, knarzt oder sich schwer einsetzen lässt, und spätestens bei jeder gründlichen Reinigung, bei der das alte Fett abgewaschen wurde.
Welches Fett nimmt man für die Brühgruppe?
Ausschließlich lebensmittelechtes Silikonfett. Philips bietet dafür das Brühgruppenfett HD5061 an, ein Silikonfett in einer kleinen Tube. Alternativ passen technische Silikonfette mit NSF-H1-Registrierung für den Lebensmittelbereich, etwa OKS 1110, das der Hersteller für einen Temperaturbereich von minus 40 bis 200 °C und für Heiß- und Kaltwasserarmaturen ausweist.
Kann ich Vaseline oder Speiseöl zum Fetten nehmen?
Nein. Speiseöl und Margarine werden mit der Zeit ranzig und geben das an den Kaffee weiter. Vaseline und andere Mineralfette lassen typische Dichtungswerkstoffe aufquellen, danach klemmt die Brühgruppe oder die Dichtung schließt nicht mehr sauber. Auch Silikonspray ist ungeeignet, weil Treib- und Lösemittel darin stecken.
Muss ich die Brühgruppe von De'Longhi oder Siemens fetten?
Die Anleitungen fordern es nicht. De'Longhi beschreibt für die Magnifica Start nur das monatliche Einweichen und Abspülen mit Wasser, Siemens für die EQ.6 das Reinigen ohne Spülmittel und das Trocknen. Werkstätten fetten die Führungen und Dichtungen dieser Brühgruppen beim Service trotzdem. Knarzt die Brühgruppe oder lässt sie sich schwer einsetzen, ist ein dünner Film Silikonfett an den Gleitstellen auch dort sinnvoll.
Welche Stellen der Brühgruppe darf ich nicht fetten?
Alles, was mit dem Kaffee direkt in Kontakt kommt oder durchströmt wird: das Brühsieb, die Siebfläche am Kolben, den Auslaufkanal und Ventile. Fett auf dem Sieb verstopft die feinen Öffnungen und landet in der Tasse. Gefettet werden nur die Gleitstellen, also Führungsschienen, Welle und die Dichtringe am Kolben.
Wie viel Fett gehört an die Brühgruppe?
Wenig. Philips verlangt, das Fett gleichmäßig auf beide seitlichen Führungen und auf die Welle aufzutragen. Für Melitta-Brüheinheiten nennen Service-Anleitungen eine erbsengroße Menge für den ganzen Brühkolben. Sichtbare Fettwülste sind zu viel, sie werden beim ersten Bezug herausgedrückt und landen im Kaffee.
Was passiert, wenn man die Brühgruppe nie fettet?
Die Gleitstellen laufen trocken, die Reibung steigt, und der Motor, der die Brühgruppe bewegt, muss stärker arbeiten. Typische Anzeichen sind Knarzen oder Quietschen beim Brühvorgang, eine Brühgruppe, die sich schwer herausnehmen oder einsetzen lässt, und im fortgeschrittenen Stadium eine blockierte Brühgruppe mit Fehlermeldung.