Wo der Mahlgrad-Regler sitzt
Siemens baut den Mahlgrad bei den meisten EQ-Serien als mechanischen Drehwähler. Er liegt am Bohnenbehälter und wird bei geöffnetem Deckel von oben bedient. Die Siemens-Hilfe zur EQ700 beschreibt ihn so: Der Drehwähler befindet sich im Bohnenbehälter. Bei der EQ.6 plus heißt er in der Anleitung „Drehwähler für Mahlgradeinstellung“.
Eine Ausnahme bildet die EQ900. Sie arbeitet mit dem eGrinder, einer elektronischen Mahlgradverstellung, die du im Display bedienst. Dazu unten mehr.
| Serie | Regler | Stufen laut Siemens | Wirkung laut Siemens |
|---|---|---|---|
| EQ300 | Drehwähler, stufenweise | mehrstufig, ohne Zahl | ab dem nächsten Bezug |
| EQ.6 plus (s100 bis s700) | Drehwähler | mehrstufig, ohne Zahl | ab der zweiten Tasse |
| EQ500 classic | Drehregler | 6 | nicht gesondert ausgewiesen |
| EQ600 | Drehregler, Keramikmahlwerk ceramDrive | 6 | nicht gesondert ausgewiesen |
| EQ700 classic, integral | Drehwähler im Bohnenbehälter | 6 | ab der zweiten Tasse |
| EQ900 | eGrinder, elektronisch im Display | elektronisch geregelt | ab der zweiten Tasse |
Die Stufenzahlen stammen aus den Siemens-Datenblättern, die wir für unsere Rezensionen ausgewertet haben. Für die EQ.6 plus und die EQ300 beschreibt Siemens den Regler nur als mehrstufig.
Mahlgrad einstellen: Schritt für Schritt
Der Ablauf ist bei allen Serien mit Drehwähler gleich. Er folgt der Anleitung der EQ.6 plus und der Siemens-Hilfe zur EQ700:
- Eine Tasse unterstellen und einen Kaffee oder Espresso starten.
- Den Deckel des Bohnenbehälters öffnen, solange das Mahlwerk hörbar läuft.
- Den Drehwähler um eine Stufe drehen: gegen den Uhrzeigersinn für feineres, im Uhrzeigersinn für gröberes Kaffeepulver.
- Den Deckel schließen und den Bezug zu Ende laufen lassen.
- Eine zweite Tasse beziehen und erst diese beurteilen.
Bei allen Schritten gilt die Warnung aus der Anleitung: Nicht in das Mahlwerk greifen. Das Mahlwerk rotiert, während du drehst, und der Regler liegt nah an der Öffnung.

Gegen den Uhrzeigersinn feiner, im Uhrzeigersinn gröber: Gedreht wird nur, solange das Mahlwerk läuft.
Welche Richtung? Das verrät die Tasse
Den passenden Mahlgrad liest du am Bezug ab. Die Siemens-Hilfe zu EQ700 und EQ900 nennt zwei klare Signale:
| Was du siehst oder schmeckst | Ursache | Regler |
|---|---|---|
| Kaffee läuft nur tropfenweise oder sehr langsam | zu fein gemahlen | im Uhrzeigersinn, gröber |
| Kaffee läuft schnell, dünn, mit wenig Crema | zu grob gemahlen | gegen den Uhrzeigersinn, feiner |
| bitter, trocken im Abgang, dunkle fleckige Crema | eher zu fein | eine Stufe gröber |
| säuerlich, wässrig, helle dünne Crema | eher zu grob | eine Stufe feiner |
| gleichmäßiger Fluss, feine dichte Crema | passt | so lassen |
Die ersten beiden Zeilen stehen so bei Siemens. Die Geschmacksbilder darunter folgen der Extraktionslehre: Zu feines Pulver gibt zu viel ab, zu grobes zu wenig. Wie du den Zielkorridor allgemein abliest, auch über die Laufzeit des Bezugs, steht unter Mahlgrad beim Kaffeevollautomaten richtig einstellen.
Die Siemens-Anleitungen widersprechen sich beim Röstgrad
Ein Detail fällt beim Vergleich der Anleitungen auf. Die Anleitung der EQ.6 plus (s400) empfiehlt: bei dunkel gerösteten Bohnen feiner, bei helleren Bohnen gröber mahlen. Die Anleitung der EQ300 sagt für hellere Röstungen das Gegenteil und dreht für sie gegen den Uhrzeigersinn, also feiner.
Für die Praxis heißt das: Die Faustregel nach Röstgrad ist ein Startpunkt. Den Ausschlag gibt die Tasse. Hellere Röstungen sind dichter und geben ihre Aromen langsamer ab, viele Baristas mahlen sie deshalb eher feiner. Dunkle Röstungen lösen sich leichter und werden bei zu feinem Mahlgrad schnell bitter. Wer neue Bohnen einfüllt, beginnt am besten mit der bisherigen Einstellung und korrigiert dann anhand der Tabelle oben in Einzelschritten.
Warum nur bei laufendem Mahlwerk
Die Anleitung der EQ.6 plus ist an dieser Stelle deutlich: Den Mahlgrad nur bei laufendem Mahlwerk verstellen, das Gerät kann sonst beschädigt werden. Die EQ300- und EQ700-Unterlagen schreiben dasselbe.
Der Grund liegt im Aufbau. Zwischen den Mahlkörpern bleiben nach jedem Mahlgang Bohnenstücke liegen. Wer im Stillstand auf feiner dreht, verkleinert den Spalt gegen diese Reste, und Regler, Mahlkörper oder die Verstellmechanik nehmen Schaden. Bei laufendem Mahlwerk wird der Spalt während des Drehens freigemahlen. In die gröbere Richtung ist das Risiko geringer, die Regel gilt trotzdem für beide Richtungen.
Eine Stufe, zwei Tassen
Siemens schreibt für EQ.6 plus, EQ700 und EQ900, dass sich die neue Einstellung erst ab der zweiten Tasse bemerkbar macht. Die EQ300-Anleitung nennt den nächsten Getränkebezug. Der Unterschied hat einen einfachen Hintergrund: Im Mahlwerk und im Pulverweg steckt noch Kaffee, der mit dem alten Abstand gemahlen wurde.
Daraus folgt die wichtigste Arbeitsregel: immer nur eine Stufe drehen und dann zwei Tassen abwarten. Wer nach dem ersten Bezug noch einmal nachstellt, weil sich scheinbar nichts geändert hat, landet zwei Stufen weiter und überschießt das Ziel. Bei sechs Stufen ist eine Stufe ein großer Schritt.
EQ900: Mahlgrad im Display und je Getränk
Die EQ900 ersetzt den Drehwähler durch den eGrinder. Laut Siemens-Hilfe läuft die Einstellung über das Display:
- baristaMode: Getränk wählen, das Mahlgrad-Symbol antippen und den Mahlgrad für genau dieses Getränk einstellen. Daneben lassen sich dort Stärke, Menge, Milchanteil, Kontaktzeit und Temperatur anpassen.
- comfortMode: Den Basismahlgrad legst du in den Getränkeeinstellungen fest.
- aromaBoost: stellt den Mahlgrad für kleine Getränkemengen automatisch feiner als die Grundeinstellung.
- Dual-Bean-Modelle: Der Mahlgrad lässt sich für jeden Bohnenbehälter getrennt einstellen.
Auch hier gilt: Der neue Mahlgrad wirkt ab der zweiten Tasse. Der Vorteil gegenüber dem Drehwähler liegt darin, dass Espresso und Caffè Crema unterschiedliche Mahlgrade bekommen können, ohne dass du jedes Mal nachstellst.
Wenn der Mahlgrad zu grob bleibt
Steht der Regler schon weit auf fein und der Kaffee läuft trotzdem dünn, gibt es meist eine zweite Ursache. Die Reihenfolge der Prüfung:
- Kaffeestärke bzw. Aroma im Menü erhöhen. Mehr Pulver je Tasse bringt mehr Körper, unabhängig vom Mahlgrad. Viele EQ-Modelle bieten dafür zusätzlich eine Doppel-Shot-Funktion (aromaDouble Shot), die das Getränk in zwei Brühvorgängen zubereitet.
- Bohnen prüfen. Alte, lange offen gelagerte Bohnen geben weniger ab, egal wie fein sie gemahlen werden.
- Brüheinheit reinigen. Fettrückstände und Pulverreste stören den Wasserdurchfluss. Bei den EQ-Serien mit entnehmbarer Brüheinheit lässt sie sich unter fließendem Wasser spülen.
- Mahlwerk anhören. Klingt es ungewöhnlich laut oder läuft es leer, kann ein Fremdkörper oder ein Defekt dahinterstecken. Das ist ein Fall für den Siemens-Kundendienst.
Fazit
Den Mahlgrad einer Siemens EQ stellst du in wenigen Sekunden ein, wenn du drei Regeln beachtest: nur bei laufendem Mahlwerk drehen, gegen den Uhrzeigersinn für feiner und im Uhrzeigersinn für gröber, und erst die zweite Tasse beurteilen. Mit einer Stufe pro Durchgang triffst du den Zielbereich sicher, auch wenn der Regler nur sechs Stufen hat.
Die Faustregeln zum Röstgrad aus den Anleitungen widersprechen sich, verlässlich ist das Bild in der Tasse: Tropft der Kaffee, gröber; läuft er dünn und blass, feiner. Wer eine EQ900 nutzt, legt den Mahlgrad im baristaMode gleich je Getränk fest. Die Daten der einzelnen Serien stehen in unseren Rezensionen, etwa zur Siemens EQ700 classic.
Häufige Fragen
Wo stelle ich bei der Siemens EQ den Mahlgrad ein?
Bei den Serien mit mechanischem Regler über einen Drehwähler am Bohnenbehälter, bei der EQ700 sitzt er laut Siemens im Bohnenbehälter. Die EQ900 hat stattdessen den elektronischen eGrinder: Dort stellst du den Mahlgrad im Display ein, im baristaMode sogar für jedes Getränk einzeln.
In welche Richtung stelle ich die Siemens EQ feiner?
Gegen den Uhrzeigersinn wird das Kaffeepulver feiner, im Uhrzeigersinn gröber. So beschreiben es die Anleitungen der EQ.6 plus und der EQ300 und die Siemens-Hilfe zur EQ700. Feiner stellen, wenn der Kaffee dünn und mit wenig Crema herausläuft; gröber, wenn er nur tropft.
Warum darf ich den Mahlgrad nur bei laufendem Mahlwerk verstellen?
Siemens warnt in der Anleitung der EQ.6 plus: Den Mahlgrad nur bei laufendem Mahlwerk verstellen, das Gerät kann sonst beschädigt werden. Im Stillstand liegen Bohnenreste zwischen den Mahlkörpern, und wer den Abstand dann verkleinert, presst sie zusammen. Läuft das Mahlwerk, wird der Spalt beim Drehen freigemahlen.
Wann wirkt der neue Mahlgrad bei Siemens?
Laut Anleitung der EQ.6 plus und Siemens-Hilfe zu EQ700 und EQ900 erst ab der zweiten Tasse. In der ersten Tasse steckt noch Kaffeepulver, das mit der alten Einstellung gemahlen wurde. Die Anleitung der EQ300 nennt den nächsten Bezug. Zum Beurteilen deshalb immer zwei Tassen abwarten.
Wie viele Mahlgradstufen hat die Siemens EQ?
Für EQ500 classic, EQ600 und die EQ700 classic bzw. integral weist Siemens 6 Stufen aus. Bei der EQ.6 plus und der EQ300 nennt der Hersteller den Regler nur mehrstufig, ohne Zahl. Die EQ900 regelt den Mahlgrad elektronisch über den eGrinder.
Der Mahlgrad ist schon auf fein, der Kaffee bleibt dünn. Was tun?
Dann liegt es selten am Mahlgrad allein. Zuerst die Kaffeestärke bzw. das Aroma im Menü erhöhen und die Bohnen prüfen: Alte oder sehr dunkle Bohnen geben weniger Körper. Danach die Brüheinheit reinigen, denn Rückstände bremsen die Extraktion. Hilft das nicht und das Mahlwerk klingt ungewöhnlich, gehört es zum Kundendienst.