Mahlgrad für vietnamesischen Kaffee im Phin-Filter

Der Phin braucht einen mittelgroben Mahlgrad zwischen Filterkaffee und French Press. Woran du ihn an der Tropfzeit erkennst und was dunkler Robusta ändert.

Kaffeewissen Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Welcher Mahlgrad in den Phin gehört
  2. Wie der Phin funktioniert
  3. Die Tropfzeit als Messinstrument
  4. Presseinsatz: Schwerkraft oder Schraube
  5. Menge, Wasser und Ablauf
  6. Robusta, dunkle Röstung und vorgemahlener Kaffee
  7. Den Mahlgrad an der eigenen Mühle finden
  8. Die häufigsten Fehler
  9. Die klassische Tasse: mit Kondensmilch
  10. Fazit
  11. Häufige Fragen

Der Phin ist ein kleiner Metallfilter, der direkt auf der Tasse sitzt und den Kaffee langsam hindurchtropfen lässt. Ohne Pumpe und ohne Papierfilter hängt dabei fast alles am Mahlgrad. Der richtige liegt im mittelgroben Bereich, und die Tropfzeit verrät dir zuverlässig, ob du ihn getroffen hast.

Welcher Mahlgrad in den Phin gehört

Der Phin arbeitet mit einer Kontaktzeit von mehreren Minuten und einem Filter aus gelochtem Metall. Beides schiebt den passenden Mahlgrad in den mittelgroben Bereich: grob genug, dass das Pulver nicht durch die Löcher rutscht und den Durchfluss nicht blockiert, fein genug, dass es in fünf Minuten genug Aroma abgibt.

In die bekannte Mahlgrad-Staffel eingeordnet sieht das so aus:

MethodeMahlgradVergleichGrößenordnung
Espresso, Siebträgerfeinfeiner Streuzucker200 bis 300 µm
EspressokochermittelfeinTafelsalz400 bis 600 µm
Filterkaffeemittelgrobes Streusalz600 bis 800 µm
Phinmittelgrobzwischen Streusalz und Meersalzrund 700 bis 1.000 µm
French Pressgrobgrobes Meersalz900 bis 1.200 µm

Die Mikrometerwerte sind eine Orientierung. Jede Mühle trägt andere Stufen, und zwei Mühlen mit derselben Beschriftung mahlen unterschiedlich. Wie die Nachbarbereiche aussehen, zeigen die Ratgeber zum Mahlgrad für Filterkaffee und zu den Kaffeebohnen für die French Press.

Warum die Angaben im Netz so weit auseinanderliegen

Wer nach dem Phin-Mahlgrad sucht, findet Angaben von „mittelfein wie Sand“ bis „grob wie für die French Press“. Beide Enden haben ihre Berechtigung, weil Phins und Bohnen sich unterscheiden:

  • Phin-Größe und Lochbild. Die Kammern und die Löcher im Boden sind je nach Hersteller verschieden groß. Ein Phin mit feinem Lochbild verträgt feineres Pulver.
  • Art des Presseinsatzes. Ein lose aufgelegter Schwerkraft-Einsatz bremst kaum, ein festgeschraubter Einsatz bremst stark. Mit dem Schraubeinsatz funktioniert deshalb ein gröberer Mahlgrad.
  • Menge. Mehr Pulver ergibt ein höheres Bett und damit mehr Widerstand.
  • Bohne und Röstung. Dunkle Robusta-Röstungen zerbrechen spröder als helle Arabica-Röstungen und ergeben mehr Feinanteil.

Selbst für dieselbe Mühle nennen Anbieter unterschiedliche Stufen: Für die verbreitete Baratza Encore empfiehlt der US-Händler Nguyen Coffee Supply Stufe 14 bis 16, der Anbieter Hanoi Drip Stufe 20 bis 25. Die zuverlässigste Messgröße bleibt deshalb die Uhr.

Wie der Phin funktioniert

Ein Phin besteht aus vier Teilen: einem Teller, der auf dem Tassenrand liegt, der Kammer mit gelochtem Boden, dem Presseinsatz, einer gelochten Scheibe, die auf das Kaffeemehl gelegt wird, und dem Deckel, der die Wärme hält.

Links ein Schnitt durch einen Phin-Filter auf einer Tasse: Deckel, heißes Wasser mit 90 bis 96 Grad, lose aufliegender Presseinsatz, Kaffeebett mit 15 bis 20 Gramm mittelgrobem Mehl, gelochter Boden und Teller auf dem Tassenrand, darunter Kaffeetropfen in eine Tasse mit Kondensmilch am Boden. Rechts oben eine Mahlgrad-Skala als Orientierung: Espresso 200 bis 300 Mikrometer, Espressokocher 400 bis 600, Filterkaffee 600 bis 800, Phin hervorgehoben 700 bis 1.000, French Press 900 bis 1.200. Rechts unten ein Zonenbalken für die Tropfzeit von 0 bis 10 Minuten: unter 3 Minuten zu grob, 4 bis 6 Minuten Ziel, über 8 Minuten zu fein.

Der Phin liegt im Mahlgrad zwischen Filterkaffee und French Press. Ob er stimmt, zeigt die Tropfzeit mit dem Zielfenster von 4 bis 6 Minuten.

Anders als eine Siebträgermaschine oder ein Espressokocher arbeitet der Phin ohne Druck. Nur die Schwerkraft zieht das Wasser durch das Kaffeebett. Wie schnell das geht, bestimmen drei Widerstände: das Kaffeebett selbst, der Presseinsatz darauf und die Löcher im Boden. Der Mahlgrad wirkt auf alle drei.

  • Feineres Pulver packt dichter, das Wasser fließt langsamer und löst mehr aus dem Kaffee. Ist es zu fein, rutscht Staub durch die Löcher, setzt sie zu, und der Phin stockt.
  • Gröberes Pulver lässt das Wasser schnell passieren. Es bleibt zu wenig Zeit, um Süße und Körper zu lösen, der Kaffee wird dünn und sauer.

Die Kontaktzeit ist beim Phin also direkt an den Mahlgrad gekoppelt. Warum die Zeit so stark auf den Geschmack wirkt, erklärt der Ratgeber Wie lange Kaffee ziehen lassen.

Die Tropfzeit als Messinstrument

Weil der Durchfluss am Mahlgrad hängt, verrät die Zeit, ob er passt. Gemessen wird vom ersten Aufgießen bis zum letzten Tropfen.

TropfzeitMahlgradGeschmackWas du änderst
unter 3 Minutenzu grobdünn, sauer, wässrigeine Stufe feiner
3 bis 4 Minuteneher grobleicht, wenig Körperhalbe Stufe feiner oder etwas mehr Pulver
4 bis 6 Minutenpassendkräftig, rund, schokoladignichts
6 bis 8 Minuteneher feinkräftig, leicht bitterEinsatz lockerer, ggf. halbe Stufe gröber
über 8 Minuten oder stocktzu fein oder zu fest gepresstbitter, trüb, Satz in der Tasseeine Stufe gröber, Einsatz nur auflegen

Die Brühanleitungen der Anbieter liegen in diesem Rahmen und streuen innerhalb davon: Hanoi Drip nennt 4 bis 5 Minuten, die Rösterei Coava 5 bis 6 Minuten, andere lassen bis 8 Minuten zu. Nguyen Coffee Supply gibt zusätzlich eine Zwischenmarke vor: der erste Tropfen nach etwa 2 Minuten, der letzte nach etwa 5 Minuten.

Dass der erste Tropfen auf sich warten lässt, ist normal. Das Kaffeemehl nimmt zuerst Wasser auf und quillt, erst danach läuft der Phin gleichmäßig.

Presseinsatz: Schwerkraft oder Schraube

Es gibt zwei Bauarten, und sie verändern den passenden Mahlgrad spürbar.

Der Schwerkraft-Einsatz ist die heute verbreitete Form. Die Scheibe wird nur auf das Kaffeemehl gelegt und drückt mit ihrem eigenen Gewicht. Hanoi Drip formuliert es knapp: Der Einsatz soll mit seinem Eigengewicht aufliegen und nicht nach unten gedrückt werden. Wer ihn anpresst, verdichtet das Bett und bremst den Durchfluss.

Der Schraubeinsatz sitzt auf einer Gewindestange in der Mitte der Kammer. Wie fest er aufliegt, stellst du über die Umdrehungen ein. Das ist eine zweite Stellschraube neben dem Mahlgrad: Fester geschraubt tropft der Phin langsamer.

Die Faustregel für beide: Erst den Mahlgrad einstellen, den Einsatz dabei immer gleich handhaben. Wer Mahlgrad und Anpressdruck zugleich verändert, findet die Ursache für eine Abweichung nicht mehr.

Menge, Wasser und Ablauf

Für einen üblichen Phin für eine Tasse gelten diese Werte:

GrößeWert
Kaffee15 bis 20 g, rund 2 bis 3 gehäufte Esslöffel
Wasser gesamtrund 100 bis 120 ml
Wassertemperatur90 bis 96 °C, also kurz nach dem Kochen
Quellphase20 bis 30 ml Wasser, 30 bis 45 Sekunden warten
Tropfzeit4 bis 6 Minuten

Das Verhältnis liegt damit bei rund 1 : 5 bis 1 : 7. Das ist deutlich stärker als Filterkaffee und so gewollt: Klassisch trifft der Kaffee auf gezuckerte Kondensmilch oder Eis und muss sich gegen beides behaupten.

Der Ablauf:

  1. Phin und Tasse vorwärmen. Mit heißem Wasser ausspülen, sonst kühlt das Metall den ersten Aufguss ab.
  2. Kaffee einfüllen und den Phin leicht schütteln, bis das Bett eben ist.
  3. Einsatz auflegen, ohne zu drücken.
  4. Quellen lassen: 20 bis 30 ml Wasser aufgießen und 30 bis 45 Sekunden warten.
  5. Auffüllen bis knapp unter den Rand, Deckel drauf.
  6. Zeit nehmen bis zum letzten Tropfen. Liegt sie außerhalb von 4 bis 6 Minuten, beim nächsten Mal den Mahlgrad um eine Stufe anpassen.

Robusta, dunkle Röstung und vorgemahlener Kaffee

Vietnamesischer Kaffee ist in aller Regel Robusta. Laut dem US-Landwirtschaftsministerium (USDA) entfallen rund 96 Prozent der vietnamesischen Ernte auf diese Art. Traditionell wird er dunkel geröstet, manche Röstereien geben während der Röstung Butter hinzu. Das ergibt die schokoladig-röstigen Noten, die zur Kondensmilch passen. Was Robusta von Arabica unterscheidet, steht im Ratgeber Arabica und Robusta im Vergleich.

Für den Mahlgrad hat das zwei Folgen:

  • Dunkle Röstungen sind spröder. Sie zerbrechen in der Mühle leichter und liefern bei derselben Stufe ein feineres Mahlbild mit mehr Staub. Wer von einer hellen Arabica auf dunklen Robusta wechselt, stellt die Mühle eher eine Stufe gröber.
  • Butterröstungen fetten. Das Fett auf den Bohnen kann das Pulver leicht verklumpen lassen. Nach dem Mahlen kurz auflockern, bevor es in den Phin kommt.

Vorgemahlener vietnamesischer Kaffee aus dem Asia-Laden ist meist schon passend für den Phin gemahlen. Vorgemahlener Filterkaffee aus dem Supermarkt liegt knapp feiner und funktioniert als Notlösung: Er tropft etwas langsamer, deshalb den Einsatz nur auflegen und eher 15 als 20 g nehmen. Espressopulver ist zu fein, es setzt den Phin zu und landet teils in der Tasse.

Den Mahlgrad an der eigenen Mühle finden

Weil jede Mühle anders skaliert, führt ein kurzer Einstellweg am schnellsten zum Ziel:

  1. Startpunkt wählen: die Mitte zwischen deiner Einstellung für Filterkaffee und der für die French Press. Hast du nur eine der beiden, startest du zwei bis drei Stufen gröber als Filter.
  2. Eine Tasse brühen und die Zeit nehmen.
  3. Nachjustieren: unter 4 Minuten eine Stufe feiner, über 6 Minuten eine Stufe gröber.
  4. Pro Tasse nur eine Größe ändern. Menge, Wassertemperatur und Einsatz bleiben gleich, bis die Zeit stimmt.

Eine Kegel- oder Scheibenmühle macht das deutlich leichter, weil sie gleichmäßig mahlt. Eine Klingenmühle zerschlägt die Bohnen zu einem Gemisch aus Staub und groben Stücken. Der Staub setzt die Löcher zu, die Stücke geben zu wenig ab. Mit kurzen Stößen und Schütteln zwischendurch lässt sich der Feinanteil begrenzen. Welche Mahlwerke wie arbeiten, erklärt der Ratgeber zu Kegelmahlwerk und Scheibenmahlwerk.

Die häufigsten Fehler

SymptomUrsacheAbhilfe
Phin stockt nach wenigen Tropfenzu fein oder Einsatz angedrücktEinsatz mit dem Löffel anheben, nächstes Mal gröber
Kaffeesatz in der TasseStaub rutscht durch die Löchergröber mahlen, Klingenmühle vermeiden
wässrig und sauerzu grob, Wasser zu kühlfeiner mahlen, Wasser kurz nach dem Kochen
bitter und dumpfzu fein, zu lange Tropfzeitgröber mahlen, Einsatz lose
lauwarm in der Tassekaltes Metall, kalte TassePhin und Tasse vorwärmen, Deckel auflegen
ungleichmäßig, mal schnell, mal langsamschiefes Kaffeebettnach dem Einfüllen schütteln, bis die Oberfläche eben ist

Die klassische Tasse: mit Kondensmilch

Der Mahlgrad ist auf den typischen Einsatz ausgelegt: ein kleiner, sehr kräftiger Kaffee, der auf gezuckerte Kondensmilch tropft. Üblich sind rund 2 Esslöffel Kondensmilch am Tassenboden, danach wird umgerührt. Heiß heißt das Getränk cà phê sữa nóng, auf Eis cà phê sữa đá. Wer den Kaffee schwarz trinkt, bleibt beim selben Mahlgrad und verlängert die fertige Tasse bei Bedarf mit etwas heißem Wasser.

Für die Eisvariante lohnt sich das obere Ende der Menge, 20 g, weil das schmelzende Eis den Kaffee verdünnt. Mehr Ideen für kalte Varianten stehen im Ratgeber Eiskaffee selber machen.

Fazit

Für vietnamesischen Kaffee im Phin passt ein mittelgrober Mahlgrad zwischen Filterkaffee und French Press, als Orientierung rund 700 bis 1.000 µm. Wichtiger als jede Zahl ist die Tropfzeit: 4 bis 6 Minuten vom ersten Aufgießen bis zum letzten Tropfen. Läuft der Phin schneller, mahlst du feiner, stockt er, mahlst du gröber und legst den Einsatz nur auf.

Dunkler Robusta braucht dabei eher eine Stufe gröber als eine helle Arabica, vorgemahlener Filterkaffee geht als Notlösung. Mit einer Uhr, einer gleichmäßig mahlenden Mühle und 15 bis 20 g Kaffee ist der richtige Wert nach zwei, drei Tassen gefunden.

Häufige Fragen

Welcher Mahlgrad passt für vietnamesischen Kaffee?

Mittelgrob, also etwas gröber als Filterkaffee und etwas feiner als für die French Press. Optisch liegt das zwischen grobem Streusalz und grobem Meersalz, als Orientierung rund 700 bis 1.000 Mikrometer. Entscheidend ist die Tropfzeit: Läuft der Phin in 4 bis 6 Minuten durch, passt der Mahlgrad.

Wie lange soll ein Phin tropfen?

Die meisten Brühanleitungen nennen 4 bis 6 Minuten vom ersten Aufgießen bis zum letzten Tropfen, einzelne Anbieter lassen bis 8 Minuten zu. Die ersten Tropfen erscheinen oft erst nach rund 2 Minuten, weil das Kaffeemehl zuerst quillt. Unter 3 Minuten ist der Mahlgrad zu grob, deutlich über 8 Minuten zu fein oder der Einsatz zu fest.

Warum tropft mein Phin nicht?

Meist ist das Kaffeemehl zu fein oder der Presseinsatz zu fest angedrückt. Feines Pulver setzt die Löcher im Boden zu und verdichtet das Bett, bis kaum noch Wasser durchkommt. Hebe den Einsatz mit einem Löffel leicht an, dann läuft es meist wieder. Beim nächsten Mal eine Stufe gröber mahlen und den Einsatz nur auflegen.

Kann ich normalen Filterkaffee im Phin verwenden?

Als Notlösung ja. Vorgemahlener Filterkaffee liegt mit 600 bis 800 Mikrometern knapp unter dem Phin-Bereich, er tropft deshalb langsamer und kann etwas bitterer werden. Leg den Einsatz ohne Druck auf und nimm etwas weniger Pulver. Espressopulver ist dagegen zu fein, es setzt den Phin zu und landet teils in der Tasse.

Wie viel Kaffee kommt in einen Phin?

Für einen üblichen Phin für eine Tasse 15 bis 20 g, das sind rund 2 bis 3 gehäufte Esslöffel. Dazu kommen rund 100 bis 120 ml Wasser mit 90 bis 96 °C. Das ergibt einen starken, konzentrierten Kaffee, der für die klassische Variante mit gezuckerter Kondensmilch gedacht ist.

Welche Bohnen nimmt man für vietnamesischen Kaffee?

Traditionell dunkel geröstete Robusta. Vietnam ist der größte Robusta-Erzeuger der Welt, laut US-Landwirtschaftsministerium entfallen rund 96 Prozent der dortigen Ernte auf Robusta. Manche Röstereien rösten traditionell mit Butter. Ein Phin funktioniert aber mit jeder Bohne, helle Arabica-Röstungen brauchen dann einen etwas feineren Mahlgrad.

Brauche ich für den Phin eine Kegelmühle?

Sie hilft deutlich. Eine Klingenmühle zerschlägt die Bohnen zu einer Mischung aus Staub und groben Brocken. Der Staub setzt die Löcher zu, die Brocken geben zu wenig ab. Wer nur eine Klingenmühle hat, mahlt in kurzen Stößen und schüttelt dazwischen, das begrenzt den Feinanteil.

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