Kaffeevollautomat ohne Wasserfilter betreiben: die Regeln

Kaffeevollautomat ohne Wasserfilter betreiben: Bei Siemens, Philips, JURA, De’Longhi und Melitta erlaubt. Pflicht: Filter abmelden, Wasserhärte einstellen.

Kaffeevollautomaten Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Was ohne Filter anders läuft
  2. Der eine Fehler: Filter raus, Menü vergessen
  3. So meldest du den Filter je Marke ab
  4. Die Wasserhärte entscheidet, ob sich der Filter lohnt
  5. Vier Gründe, die für den Verzicht sprechen
  6. Alten Filter nicht im Tank vergessen
  7. Später wieder mit Filter
  8. Fazit
  9. Häufige Fragen

Was ohne Filter anders läuft

Der Wasserfilter im Tank ist bei Kaffeevollautomaten ein Zubehör. Siemens schreibt es für die EQ700 in der eigenen Pflegehilfe ohne Umschweife: Das Gerät kann auch ohne Wasserfilter betrieben werden, der Filter vermindert die Kalkablagerungen. De’Longhi empfiehlt den Filter in der Anleitung der Magnifica-Baureihe für „langfristig gleichbleibende Betriebseigenschaften“ und beschreibt im selben Kapitel, wie das Gerät ohne Filter eingerichtet wird.

Ohne Filter ändern sich zwei Dinge:

Bereichmit Filterohne Filter
KalkIonentauscher bindet einen Teil der Härteder volle Kalkgehalt des Leitungswassers erreicht die Heizung
Entkalkenseltener, bei einzelnen Systemen ganz entfallendnach Aufforderung, Intervall aus Wasserhärte und Wassermenge
GeschmackAktivkohle bindet Chlor und NebengerücheLeitungswasser unverändert
FolgekostenFilterpatronen, Wechsel spätestens alle zwei MonateEntkalker, öfter fällig
PflegeaufwandFilter wechseln, wässern, im Menü bestätigenWasserhärte einmal einstellen, öfter entkalken

Gleich bleibt die Zubereitung selbst: Mahlwerk, Milchsystem und Brüheinheit arbeiten mit und ohne Filter auf dieselbe Weise. Der Filter wirkt auf Kalk und Geschmack des Wassers.

Der eine Fehler: Filter raus, Menü vergessen

Wer den Filter einfach aus dem Tank nimmt, hat die Hälfte erledigt. Die Maschine merkt sich den Filterbetrieb, und bei den meisten Herstellern verlängert ein angemeldeter Filter das Entkalkungsintervall oder setzt es ganz aus. JURA schreibt etwa für die E8: Mit der Filterpatrone CLARIS Smart+ erscheint keine Aufforderung zum Entkalken. Ohne Abmeldung rechnet die Maschine also mit weichem Wasser, während hartes Wasser durch die Leitungen läuft.

Schematischer Vergleich von drei Betriebsarten über die Zeit, jeweils mit der Kalkmenge in der Maschine als ansteigender Fläche und einer gestrichelten Linie für die kritische Kalkmenge. Erstens Filter eingesetzt und angemeldet: Die Kalkmenge steigt langsam, der Filter wird regelmäßig gewechselt. Zweitens Filter entfernt und abgemeldet, Wasserhärte eingestellt: Der Kalk steigt schneller, die Maschine fordert das Entkalken rechtzeitig an, die Fläche fällt danach auf null zurück. Drittens Filter entfernt, aber noch angemeldet: Der Kalk steigt genauso schnell, die Aufforderung kommt zu spät, die Fläche überschreitet die kritische Linie. Merksatz: Filter raus heißt Menü anfassen.

Ohne Filter steigt der Kalk schneller. Rechtzeitig entkalkt wird nur, wenn die Maschine davon weiß.

De’Longhi formuliert die Pflicht in der Anleitung ausdrücklich: Wer das Gerät ohne Filter betreiben möchte, muss den Filter entnehmen und dem Gerät melden, dass er entfernt wurde. Das gilt sinngemäß für jede Marke, deren Maschine den Filter nicht selbst erkennt.

So meldest du den Filter je Marke ab

Die Wege unterscheiden sich je nach Hersteller und Baureihe. Die folgenden Abläufe stammen aus den Anleitungen und Hilfeseiten der Hersteller zu den genannten Modellen und gelten für deren Geschwister meist sinngemäß.

Marke (Beispielmodell)Filter abmeldenWasserhärte
Siemens (EQ700, EQ900)Tropfen-Symbol, »INTENZA-Filter«, »Entfernen«im Menü nach Teststreifen
Philips (3200 Series)AquaClean-Erinnerung bei ausgeschaltetem Gerät deaktivierenStufen 1 bis 4, ab Werk 4
JURA (E8 mit CLARIS Smart+)erkennt die Patrone selbst, Filter einfach entnehmen1 bis 30 °dH im JURA Cockpit
De’Longhi (Magnifica, ECAM22)Filter entnehmen, Entnahme im Menü »Einstellungen« meldenStufen 1 bis 4 nach Teststreifen
Melitta (CI-Baureihe)Pflege, »Filter«, »Filter entfernen«, Startenim Menü nach Teststreifen

Siemens

Bei der EQ700 und der EQ900 führt der Weg laut Siemens-Hilfe über das Tropfen-Symbol zum Punkt »INTENZA-Filter« und dort auf »Entfernen«. Das Display führt danach durch die Schritte. Die Wasserhärte stellst du im Menü ein, ermittelt wird sie mit dem beiliegenden Teststreifen oder über die Angabe des örtlichen Wasserversorgers.

Philips

Philips nennt den Punkt in der Anleitung der 3200 Series Deaktivieren der AquaClean-Erinnerung: Maschine ausschalten, das AquaClean-Symbol gedrückt halten, bis es aufleuchtet, erneut antippen, mit der Start/Stopp-Taste bestätigen und die Maschine wieder einschalten. Die Wasserhärte stellst du bei ausgeschalteter Maschine über das Aromastärke-Symbol in vier Stufen ein. Ab Werk steht sie auf Stufe 4 für hartes Wasser. Wird später wieder ein Filter aktiviert, schaltet die Maschine die Erinnerungen laut Philips automatisch ein.

JURA

Die aktuellen JURA-Modelle mit CLARIS Smart oder Smart+ erkennen die Patrone per Funkchip. Die Anleitung der E8 beschreibt das beim Einsetzen: Das Gerät erkennt automatisch, dass eine Filterpatrone eingesetzt wurde. Ohne Patrone fordert die E8 das Entkalken nach der eingestellten Wasserhärte an. Die Härte legst du im JURA Cockpit unter »Wasserhärte« fest, möglich sind 1 bis 30 °dH.

De’Longhi

Die Anleitung der Magnifica-Baureihe (ECAM22) beschreibt den Filterausbau in zwei Schritten: Wassertank und Filter entnehmen, dann im Kapitel »Menü Einstellungen« die Entnahme melden. Die Wasserhärte ermittelst du mit dem Teststreifen, der je nach Härte 1 bis 4 rote Quadrate zeigt, und stellst sie im selben Menü ein.

Melitta

Bei den Melitta-Modellen der CI-Baureihe heißt der Menüpunkt laut Anleitung Pflege, Filter, Filter entfernen. Nach dem Start entnimmst du den Filter aus dem Gewinde am Boden des Wasserbehälters. Melitta weist außerdem darauf hin, dass der Claris-Filter nicht lange trocken stehen soll. Wer ihn später wieder nutzen will, lagert ihn im Wasserglas im Kühlschrank.

Die Wasserhärte entscheidet, ob sich der Filter lohnt

Ohne Filter hängt alles an der Härte des Leitungswassers. Das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz teilt sie in drei Bereiche ein, und die Grenzen taugen auch für die Entscheidung am Kaffeevollautomaten:

Härtebereich°dHEinschätzung ohne Filter
weichunter 8,4unkritisch, der Filter bringt beim Kalk wenig
mittel8,4 bis 14machbar, Entkalken regelmäßig nach Aufforderung
hartüber 14Filter lohnt sich, ohne ihn wird oft entkalkt

Die eigene Härte steht auf der Website des Wasserversorgers oder lässt sich mit dem Teststreifen aus dem Lieferumfang in einer Minute messen. Was die Härte außerdem mit dem Geschmack macht und welcher Bereich für Kaffee ideal ist, erklärt der Beitrag Wasserhärte für Kaffee.

Vier Gründe, die für den Verzicht sprechen

Der Betrieb ohne Filter ist eine legitime Wahl. Typische Fälle:

  • Weiches Wasser. Unter 8,4 °dH kommt kaum Kalk an, und die Patrone kostet mehr, als sie spart.
  • Enthärtungsanlage im Haus. Das Wasser ist bereits aufbereitet. Hier gehört die tatsächliche Härte nach der Anlage ins Menü.
  • Wenig Kaffee. Wer nur ein, zwei Tassen am Tag bezieht, erreicht die Kapazität einer Patrone selten vor der Zwei-Monats-Grenze und wirft sie halb verbraucht weg.
  • Längere Pausen. De’Longhi verlangt den Wechsel oder das Entfernen des Filters, wenn das Gerät drei Wochen nicht benutzt wurde. Bei Ferienwohnung oder Zweitmaschine spricht das gegen den Filter.

Bei hartem Wasser und täglicher Nutzung spricht dagegen viel für den Filter. Philips gibt für AquaClean etwa an, dass bei rechtzeitigem Filterwechsel bis zu 5.000 Tassen ohne Entkalken möglich sind.

Alten Filter nicht im Tank vergessen

Ein Sonderfall, der häufiger vorkommt als der bewusste Verzicht: Der Filter ist erschöpft, die Erinnerung wurde weggedrückt, und die Patrone steckt seit Monaten im Tank. Das ist die schlechteste Variante. Der Ionentauscher bindet keinen Kalk mehr, die Maschine glaubt aber weiter an gefiltertes Wasser.

Siemens nennt für den Filterwechsel aus hygienischen Gründen mindestens alle zwei Monate, De’Longhi dieselbe Lebensdauer von zwei Monaten. Wer den Wechsel nicht mehr machen will, entfernt den Filter und meldet ihn ab. Danach entkalkst du einmal nach Programm, damit die Maschine mit sauberem Stand in den Betrieb ohne Filter startet.

Später wieder mit Filter

Der Weg zurück ist jederzeit offen. Eine neue Patrone wird vor dem Einsetzen gewässert, im Tank eingesetzt und im Menü angemeldet. Danach spült die Maschine den Filter durch. Den Ablauf je Marke und den Schritt, den viele überspringen, erklärt die Anleitung Wasserfilter im Kaffeevollautomaten wechseln.

Fazit

Einen Kaffeevollautomaten ohne Wasserfilter zu betreiben, ist erlaubt und bei weichem Wasser oft die vernünftigere Wahl. Entscheidend sind zwei Handgriffe: den Filter im Menü abmelden und die Wasserhärte richtig einstellen. Dann fordert die Maschine das Entkalken rechtzeitig an, und Kalk hat keine Chance, sich unbemerkt festzusetzen.

Bei hartem Wasser über 14 °dH lohnt der Filter weiterhin, weil er das Entkalken deutlich seltener macht. Wer sich dagegen entscheidet, plant das Entkalken nach Aufforderung fest ein und lässt keinen erschöpften Filter im Tank stehen.

Häufige Fragen

Kann man einen Kaffeevollautomaten ohne Wasserfilter betreiben?

Ja. Siemens schreibt für die EQ700 ausdrücklich, dass das Gerät auch ohne Wasserfilter betrieben werden kann, De’Longhi beschreibt in der Anleitung einen eigenen Ablauf für den Betrieb ohne Filter, und Philips erlaubt, die AquaClean-Erinnerung abzuschalten. Wichtig ist nur, den Filter im Menü abzumelden und die Wasserhärte richtig einzustellen, damit die Maschine das Entkalken rechtzeitig anfordert.

Was passiert, wenn ich den Filter herausnehme, ohne ihn abzumelden?

Die Maschine rechnet weiter mit gefiltertem Wasser und fordert das Entkalken zu spät oder gar nicht an. In dieser Zeit setzt sich Kalk aus dem ungefilterten Wasser in Heizung und Leitungen ab. Deshalb verlangt De’Longhi in der Anleitung ausdrücklich, dem Gerät die Entnahme des Filters zu melden.

Muss ich ohne Wasserfilter häufiger entkalken?

Ja, je nach Wasserhärte deutlich. Wie oft, berechnet die Maschine selbst aus der eingestellten Härte und der Wassermenge. Bei weichem Wasser unter 8,4 °dH ändert sich wenig, bei hartem Wasser über 14 °dH kommt die Aufforderung spürbar früher. Entscheidend ist, dass die eingestellte Härte stimmt.

Kann ich einen alten Filter einfach im Tank lassen?

Besser nicht. Ein erschöpfter Filter bindet keinen Kalk mehr, und aus hygienischen Gründen nennen Siemens und De’Longhi einen Wechsel spätestens nach zwei Monaten. De’Longhi verlangt außerdem den Wechsel oder das Entfernen, wenn das Gerät drei Wochen nicht benutzt wurde. Wer ohne Filter arbeiten will, nimmt ihn heraus und meldet ihn ab.

Wie betreibe ich die JURA ohne Filter?

Bei JURA-Modellen mit CLARIS Smart oder Smart+ erkennt das Gerät die Patrone per Funkchip selbst. Nimmst du sie heraus, arbeitet die Maschine im Betrieb ohne Filter und fordert das Entkalken nach der eingestellten Wasserhärte an. Die Härte stellst du im JURA Cockpit unter »Wasserhärte« ein, bei der E8 zwischen 1 und 30 °dH.

Schmeckt der Kaffee ohne Wasserfilter anders?

Das hängt am Leitungswasser. Die Patronen enthalten neben dem Ionentauscher meist Aktivkohle, die Chlor und Nebengerüche bindet. Riecht das Leitungswasser neutral, ist der Unterschied gering. Bei stark chlorhaltigem Wasser oder sehr hartem Wasser schmeckt gefilterter Kaffee runder, weil zu viel Kalk Säure und Aromen abpuffert.

Darf ich statt eines Filters Mineralwasser verwenden?

Kohlensäurehaltiges Mineralwasser ist tabu. JURA schreibt etwa für die E8, dass Mineralwasser mit Kohlensäure den Wassertank oder das Gerät beschädigen kann, und erlaubt nur frisches, kaltes Wasser. Der Normalfall ist frisches Leitungswasser, dessen Härte im Menü eingestellt ist.

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