Irgendwann steht die Frage am Frühstückstisch: Das Kind will probieren, und die Antwort fällt meist aus dem Bauch heraus. Ein festes Alter, ab dem Kaffee erlaubt wäre, gibt es in Deutschland nicht. Behörden und Fachgesellschaften arbeiten stattdessen mit einer Menge, und die lässt sich für jedes Kind ausrechnen. Diese Seite zeigt die Zahlen, die dahinterstehen, und was sie für eine Tasse am Familientisch bedeuten.
Die Rechtslage: kein Mindestalter, aber eine Kennzeichnung
Das Jugendschutzgesetz kennt Altersgrenzen für Alkohol, Tabak und den Zutritt zu bestimmten Orten. Koffein taucht darin nicht auf. Ein Kind darf Kaffee kaufen, ein Café darf ihn ausschenken, und niemand macht sich strafbar. Das gilt auch für Cola und Energy Drinks.
Der Gesetzgeber greift an einer anderen Stelle ein. Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung schreibt für Getränke mit mehr als 150 Milligramm Koffein je Liter den Hinweis vor: „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen”, dahinter in Klammern der Gehalt je 100 Milliliter.
Für Kaffee gilt diese Pflicht ausdrücklich nicht. Anhang III der Verordnung nimmt Getränke aus, die auf Kaffee oder Tee basieren und das im Namen tragen. Der Grund ist praktischer Natur: Bei Kaffee ist der Koffeingehalt allgemein bekannt, bei einem Erfrischungsgetränk mit Koffeinzusatz eben nicht. Auf der Dose Energy Drink steht der Satz deshalb, auf der Kaffeepackung fehlt er.
Die Fachgrenze rechnet in Kilogramm
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt für Kinder und Jugendliche 3 Milligramm Koffein je Kilogramm Körpergewicht, und zwar als Einzeldosis oder über den Tag verteilt. Für gesunde Erwachsene gelten 400 Milligramm am Tag und 200 Milligramm je Einzeldosis, für Schwangere und Stillende 200 Milligramm am Tag.
Daraus lässt sich für jedes Gewicht die Tagesgrenze ausrechnen:
| Körpergewicht | Tagesgrenze | Entspricht ungefähr |
|---|---|---|
| 20 kg | 60 mg | zwei Gläser Cola |
| 25 kg | 75 mg | ein Espresso |
| 30 kg | 90 mg | eine Tasse Filterkaffee |
| 40 kg | 120 mg | eine Tasse Filterkaffee plus ein Glas Cola |
| 50 kg | 150 mg | anderthalb Tassen Filterkaffee |
| 60 kg | 180 mg | zwei Tassen Filterkaffee |

Bei 30 Kilogramm deckt eine einzige Tasse Filterkaffee das komplette Tagesbudget ab.
Die Grafik zeigt zugleich, warum die Erwachsenengrenze kein Maßstab für Jugendliche ist. Ein 70 Kilogramm schwerer Jugendlicher landet mit der 3-Milligramm-Regel bei 210 Milligramm, während einem gleich schweren Erwachsenen 400 Milligramm zugestanden werden. Der Abstand kommt durch die fehlende Gewöhnung und die vorsichtigere Bewertung bei Heranwachsenden zustande.
Wie viel Koffein wirklich in den Getränken steckt
Die Zahlen des BfR für typische Portionen:
| Getränk | Portion | Koffein |
|---|---|---|
| Filterkaffee | 200 ml | 90 mg |
| Espresso | 60 ml | 80 mg |
| Energy Drink | 250 ml | 80 mg |
| Schwarzer Tee | 200 ml | 45 mg |
| Cola | 330 ml | 35 mg |
| Grüner Tee | 200 ml | 30 mg |
Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens liegt der Espresso trotz kleiner Tasse fast auf dem Niveau des Filterkaffees, weil die Menge Kaffeemehl je Milliliter Getränk viel höher ist. Zweitens entspricht eine Dose Energy Drink etwa einem Espresso, wird aber kalt, schnell und selten allein getrunken.
Für die Tagesrechnung zählt alles zusammen. Ein Kind mit 30 Kilogramm, das mittags ein Glas Cola trinkt, hat 35 seiner 90 Milligramm verbraucht. Zwei Riegel Schokolade und ein Eistee am Nachmittag kommen dazu. Die eine Tasse Kaffee, um die es am Frühstückstisch ging, wäre danach bereits die Überschreitung.
Was ein Milchkaffee daran ändert
In der Praxis geht es selten um schwarzen Kaffee. Kinder bekommen einen Milchkaffee, und dabei verschiebt sich das Bild weniger, als viele annehmen:
- Milchkaffee mit 100 ml Kaffee: rund 45 mg, also die Hälfte einer Tasse Filterkaffee.
- Cappuccino mit einem Espresso: rund 80 mg, der Milchanteil ändert daran nichts.
- Latte macchiato mit einem Espresso: ebenfalls rund 80 mg, trotz des großen Glases.
Die Milch verdünnt den Geschmack, und genau das führt in die Irre. Ein Latte macchiato schmeckt milder als ein Espresso und enthält dieselbe Koffeinmenge. Wer die Menge im Blick behalten will, zählt Espressi und nicht Milliliter.
Einzeldosis und Tagesmenge fallen bei Kindern zusammen
Ein Detail der BfR-Angabe wird beim Überfliegen leicht übersehen und ändert die Rechnung erheblich. Für Erwachsene stehen dort zwei Werte: 200 Milligramm als Einzeldosis und 400 Milligramm über den Tag verteilt. Ein Erwachsener darf seine Tagesmenge also auf mehrere Portionen aufteilen und kommt so auf das Doppelte einer Einzeldosis.
Für Kinder und Jugendliche nennt das BfR einen Wert: 3 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht als Einzeldosis oder über den Tag verteilt. Beide Fälle teilen sich dieselbe Zahl.
| Einzeldosis | Über den Tag | |
|---|---|---|
| Gesunde Erwachsene | 200 mg | 400 mg |
| Kinder und Jugendliche | 3 mg je kg | 3 mg je kg |
Praktisch heißt das: Wer 90 Milligramm als eine Tasse trinkt, hat bei 30 Kilogramm dieselbe Grenze erreicht, als hätte er über den Tag verteilt drei Gläser Cola getrunken. Ein Aufteilen bringt hier keinen Spielraum. Genau das unterscheidet die Bewertung bei Heranwachsenden von der bei Erwachsenen.
Warum Fachgesellschaften bei Kindern ganz abraten
Die Grenze von 3 Milligramm je Kilogramm ist eine Sicherheitsschwelle, keine Empfehlung. Sie beschreibt, unterhalb welcher Menge keine schädlichen Wirkungen zu erwarten sind. Ob ein Kind Kaffee trinken sollte, beantwortet sie nicht.
Auf diese Frage antworten Ernährungsinstitute deutlicher. Die für die Kinderernährung entwickelte Optimierte Mischkost nennt als geeignete Getränke Wasser, ungesüßte Tees und stark verdünnte Säfte. Koffeinhaltige Getränke stehen dort nicht auf der Liste. Kinderärztliche Fachportale formulieren es als Verzichtsempfehlung: Kinder sollten Koffein möglichst meiden.
Die Begründung liegt in drei Punkten:
- Der Schlaf. Koffein hat bei Erwachsenen eine Halbwertszeit von 3 bis 7 Stunden. Eine Cola um 16 Uhr wirkt bis in die Nacht. Bei Kindern, deren Schlafbedarf ohnehin höher liegt, wiegt das schwerer.
- Die Gewöhnung. Regelmäßige Zufuhr führt zu Toleranz, die gewohnte Wirkung wird schwächer und die Menge steigt. Beim Weglassen kommen Kopfschmerzen.
- Die Begleitstoffe. Der Weg zum Koffein führt bei Kindern fast immer über gezuckerte Getränke. Der Zucker ist dabei das größere Problem.
Woher Kinder ihr Koffein tatsächlich beziehen
Kaffee ist bei Kindern die seltenste Quelle. Relevanter sind Cola, Eistee, Energy Drinks und Schokolade, weil sie beiläufig konsumiert werden und niemand mitzählt.
Bei Energy Drinks hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit 2015 festgestellt, dass Jugendliche in mehreren EU-Ländern über der abgeleiteten Menge liegen. Der Grund ist die Portionsgröße: Ein 65 Kilogramm schwerer Jugendlicher hat nach der 3-Milligramm-Regel 195 Milligramm zur Verfügung und erreicht diese Menge mit zweieinhalb Dosen à 250 Milliliter. Halbliterdosen halbieren diese Zahl.
Wer die Frage nach dem Kaffee stellt, hat die anderen Quellen deshalb meist schon im Haus. Ein Vergleich der üblichen Portionen steht im Beitrag zu Kaffee und Energydrink im Koffeinvergleich.
Was Kinder stattdessen trinken können
Hinter der Frage nach dem Kaffee steht selten der Wunsch nach Koffein. Kinder wollen mittrinken, und dafür gibt es Getränke, die ohne Rechnung auskommen:
- Getreidekaffee und Malzkaffee bestehen aus geröstetem Getreide, meist Gerste oder Roggen, dazu Zichorienwurzel. Sie schmecken röstig und sind von Natur aus koffeinfrei. Zubereitet werden sie wie löslicher Kaffee.
- Entkoffeinierter Kaffee liegt in der EU unter 0,1 Prozent Koffein in der Trockenmasse. In der Tasse bleiben je nach Zubereitung 2 bis 5 Milligramm.
- Kakao enthält kein Koffein in nennenswerter Menge, dafür Theobromin, das milder und länger wirkt. Der Zuckergehalt fertiger Mischungen ist hier der Punkt, auf den es zu achten lohnt.
- Milchschaum ohne Kaffee funktioniert am Vollautomaten wie am Milchkännchen. Für viele Kinder ist genau das der Teil, um den es beim Cappuccino der Eltern überhaupt geht.
Der letzte Punkt löst die Situation am Frühstückstisch häufiger als jede Mengenrechnung. Wie sich Schaum ohne Gerät herstellen lässt, steht im Ratgeber zu Milchschaum ohne Milchaufschäumer.
Der Wachstums-Mythos
„Kaffee bremst das Wachstum” gehört zu den langlebigsten Sätzen der Ernährungsgeschichte. Eine belastbare Grundlage dafür gibt es nicht. Die Vermutung geht auf ältere Überlegungen zur Calciumausscheidung zurück, aus denen nie ein Nachweis für ein verändertes Längenwachstum wurde.
Was sich stattdessen zeigen lässt, sind kurzfristige Effekte: Einschlafzeit, Unruhe, Herzklopfen, Zittern und Bauchschmerzen. Dass Koffein den Puls und den Kreislauf beeinflusst, ist gut untersucht; die Datenlage dazu steht im Ratgeber zu Kaffee und Herzfrequenz. Für Eltern ist das die praktisch wichtigere Information, weil sie im Alltag sichtbar wird.
Ab wann ist eine Tasse realistisch unbedenklich?
Aus den Zahlen ergibt sich eine Orientierung, die ohne Altersangabe auskommt:
- Unter 30 Kilogramm deckt schon eine halbe Tasse einen großen Teil des Tagesbudgets. Hier bleibt es sinnvollerweise bei koffeinfreien Getränken.
- Zwischen 30 und 45 Kilogramm ist eine einzelne Tasse rechnerisch die komplette Tagesmenge. Wenn probiert wird, dann als Ausnahme und früh am Tag.
- Ab etwa 50 Kilogramm bleibt neben einer Tasse noch Spielraum für die üblichen Nebenquellen. In dieser Größenordnung liegt der Punkt, ab dem eine Tasse am Morgen im Rahmen bleibt.
- Immer gilt: früh am Tag, alle Quellen zusammenzählen, und bei Einschlafproblemen die Menge zurücknehmen.
Wer den Geschmack mitgeben will, ohne die Rechnung zu belasten, greift zu entkoffeiniertem Kaffee. In der Tasse bleiben davon je nach Zubereitung etwa 2 bis 5 Milligramm. Wie die Entkoffeinierung abläuft und welche Verfahren ohne chemische Lösungsmittel arbeiten, steht im Ratgeber zu entkoffeiniertem Kaffee.
Fazit
Auf die Frage nach dem Alter gibt es in Deutschland keine gesetzliche Antwort. Die fachliche Antwort steht in Kilogramm: 3 Milligramm Koffein je Kilogramm Körpergewicht am Tag, alle Quellen zusammengerechnet. Bei 30 Kilogramm ist das eine Tasse Filterkaffee und sonst nichts, bei 60 Kilogramm sind es zwei.
Fachgesellschaften gehen einen Schritt weiter und empfehlen für Kinder Wasser und ungesüßte Tees. Diese Empfehlung und die Grenzwerte widersprechen sich nicht: Der eine Wert sagt, ab wann es kritisch wird, die andere Empfehlung sagt, was sinnvoll ist. Für den Familienalltag ist der wichtigste Punkt ohnehin ein anderer: Cola, Eistee und Energy Drinks liefern das Koffein, über das im Zusammenhang mit Kindern gestritten werden müsste, und über sie spricht am Frühstückstisch selten jemand.
Häufige Fragen
Gibt es in Deutschland ein Mindestalter für Kaffee?
Nein. Das Jugendschutzgesetz regelt die Abgabe von Alkohol und Tabak, Kaffee taucht darin nicht auf. Ein Zwölfjähriger darf Kaffee kaufen und trinken, ohne dass jemand gegen ein Gesetz verstößt. Fachlich raten Kinderärzte und Ernährungsinstitute bei Kindern trotzdem zum Verzicht, und Behörden nennen eine Obergrenze, die sich am Körpergewicht orientiert.
Wie viel Koffein ist für Kinder und Jugendliche unbedenklich?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als Einzeldosis oder über den Tag verteilt. Bei 20 Kilogramm sind das 60 Milligramm, bei 30 Kilogramm 90 Milligramm und bei 50 Kilogramm 150 Milligramm. Zum Vergleich: Eine Tasse Filterkaffee mit 200 Millilitern enthält rund 90 Milligramm.
Ab welchem Alter ist eine Tasse Kaffee unbedenklich?
Die Rechnung hängt am Gewicht. Ein Kind mit 30 Kilogramm schöpft mit einer einzigen Tasse Filterkaffee sein komplettes Tagesbudget aus, Cola und Schokolade eingerechnet ist es dann bereits darüber. Erst ab etwa 50 Kilogramm bleibt neben einer Tasse noch Spielraum. Fachgesellschaften empfehlen Kindern koffeinfreie Getränke, unabhängig von dieser Rechnung.
Warum wirkt Koffein bei Kindern stärker?
Weil sich dieselbe Menge auf ein kleineres Körpergewicht verteilt. Ein Espresso mit 80 Milligramm bedeutet bei 20 Kilogramm 4 Milligramm je Kilogramm, bei einem Erwachsenen mit 70 Kilogramm nur gut 1 Milligramm. Dazu kommt fehlende Gewöhnung: Wer selten Koffein aufnimmt, reagiert bei gleicher Dosis deutlicher.
Dürfen Jugendliche Energy Drinks statt Kaffee trinken?
Energy Drinks sind die problematischere Quelle. Eine 250-Milliliter-Dose enthält rund 80 Milligramm Koffein, größere Dosen entsprechend mehr, und sie werden schnell und kalt getrunken. Ab 150 Milligramm Koffein je Liter muss auf der Packung der Hinweis "Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen" stehen. Für Kaffee gilt diese Kennzeichnungspflicht ausdrücklich nicht.
Bremst Kaffee das Wachstum?
Dafür gibt es keine belastbare Grundlage. Die Annahme hält sich seit Jahrzehnten, ohne dass eine Studienlage sie stützt. Die realen Effekte bei Kindern sind ein gestörter Schlaf, Unruhe und Herzklopfen, dazu der Zucker, der in koffeinhaltigen Limonaden und Energy Drinks mitkommt.
Wie viel Koffein steckt in einem Milchkaffee?
Ein Milchkaffee mit etwa 100 Millilitern Kaffee liegt bei rund 45 Milligramm, ein Cappuccino mit einem einfachen Espresso bei rund 80 Milligramm. Die Milch verdünnt den Geschmack und verlangsamt die Aufnahme etwas, an der Koffeinmenge ändert sie nichts. Für ein Kind mit 25 Kilogramm ist ein einzelner Cappuccino damit bereits über der Tagesgrenze.
Was ist mit entkoffeiniertem Kaffee für Jugendliche?
Entkoffeinierter Kaffee muss in der EU unter 0,1 Prozent Koffein in der Trockenmasse liegen. In der Tasse bleiben je nach Zubereitung etwa 2 bis 5 Milligramm, gegenüber rund 90 Milligramm im normalen Filterkaffee. Damit ist er die naheliegende Lösung, wenn es ums Mittrinken und um den Geschmack geht.
Woran merke ich, dass mein Kind zu viel Koffein hatte?
Typisch sind Einschlafprobleme, Unruhe, Zittern, Herzklopfen und Bauchschmerzen. Weil Koffein eine Halbwertszeit von mehreren Stunden hat, wirkt eine Cola am Nachmittag bis in die Nacht. Halten Beschwerden an oder treten Herzrasen und Schwindel auf, gehört das ärztlich abgeklärt.