Türkischen Kaffee zubereiten: Anleitung mit dem Cezve

Türkischen Kaffee richtig zubereiten: Mengen, Mahlgrad und der Temperaturverlauf im Cezve, dazu der Trick für den Schaum, die vier Zuckerstufen und die häufigsten Fehler.

Kaffeewissen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Was türkischen Kaffee ausmacht
  2. Was du brauchst
  3. Der Mahlgrad entscheidet
  4. Schritt für Schritt
  5. Der Schaum: woran er hängt
  6. Zucker: die vier Stufen
  7. Bohne und Röstung
  8. Für mehrere Tassen kochen
  9. Häufige Fehler
  10. Varianten und Herdarten
  11. Fazit
  12. Häufige Fragen

Türkischer Kaffee kommt ohne Filter und ohne Druck aus. Das sehr fein gemahlene Pulver bleibt im Getränk, und der ganze Vorgang dauert kaum vier Minuten. Wer ihn zum ersten Mal kocht, scheitert meist an einer einzigen Stelle: der Temperatur kurz vor dem Aufsteigen. Diese Seite zeigt Mengen, Mahlgrad und den Ablauf am Herd, Schritt für Schritt.

Was türkischen Kaffee ausmacht

Bei allen Filter- und Druckmethoden wird das Kaffeemehl am Ende vom Getränk getrennt. Beim türkischen Kaffee bleibt es drin. Das Pulver ist so fein gemahlen, dass es sich im Wasser verteilt und einen Teil davon gelöst bleibt, der Rest setzt sich in der Tasse als Satz ab.

Daraus ergeben sich die Besonderheiten: ein dichter, sirupartiger Körper, eine kräftige Konzentration bei einem Verhältnis von rund 1:10 und der charakteristische Schaum auf der Oberfläche, der auf Türkisch köpük heißt und als Qualitätsmerkmal gilt. Die UNESCO nahm die türkische Kaffeekultur 2013 in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf.

Das Kännchen heißt Cezve (gesprochen etwa „dschesve“), im Deutschen oft Ibrik genannt. Es ist unten weit und nach oben verjüngt. Diese Form hat einen praktischen Grund: Die enge Öffnung bremst das Aufsteigen und hält den Schaum zusammen.

Was du brauchst

AusrüstungEmpfehlungHinweis
Cezve2er oder 4er Größe (150 bzw. 300 ml)passend zur Tassenzahl wählen, halb leere Kännchen schäumen schlecht
MaterialKupfer verzinnt, Messing oder EdelstahlKupfer leitet Wärme am gleichmäßigsten
Kaffeetürkische Mahlung, mittlere bis dunkle Röstungfertig gemahlen oder Handmühle mit sehr feiner Stufe
Tassentürkische Fincan, 70–80 mlkleine Espressotassen funktionieren ebenso
LöffelTeelöffelzum Dosieren und zum Verteilen des Schaums

Ein Cezve sollte zur Menge passen. Ein 300-ml-Kännchen mit nur einer Portion darin bildet kaum Schaum, weil die Oberfläche im Verhältnis zu groß ist. Als Regel gilt: Das Kännchen ist am Ende zu zwei Dritteln gefüllt.

Der Mahlgrad entscheidet

Türkischer Kaffee braucht die feinste Mahlung, die es in der Kaffeezubereitung gibt. Das Pulver soll sich zwischen den Fingern anfühlen wie Mehl oder Puderzucker, ohne spürbare Körnung.

ZubereitungMahlgradVergleich
French Pressgrobgrobes Meersalz
FilterkaffeemittelTafelsalz
Espressofeinfeiner Sand
Türkischer Kaffeesehr feinMehl, Puderzucker

Der Grund liegt in der fehlenden Filtration. Grobes Pulver würde als Sandschicht in der Tasse liegen und beim Trinken zwischen den Zähnen knirschen. Feines Pulver bleibt dagegen länger in der Schwebe und gibt seine Stoffe in den kurzen drei Minuten vollständig ab.

Die meisten elektrischen Haushaltsmühlen erreichen diese Feinheit nicht. Klassische türkische Handmühlen mit langem Mahlgang schaffen es, ebenso viele Handmühlen mit Stahlkegel auf der feinsten Stufe. Der einfachste Weg bleibt fertig gemahlener türkischer Kaffee, den es in jedem türkischen Supermarkt gibt. Er ist dafür ab Werk passend gemahlen.

Schritt für Schritt

Temperaturkurve für türkischen Kaffee über vier Minuten: Start bei 20 Grad kalt angesetzt, langsamer Anstieg, Schaumbildung ab etwa 70 Grad, erster Aufstieg bei 94 Grad mit Abheben vom Feuer, kurzer Temperaturabfall und zweiter Aufstieg. Der Siedepunkt bei 100 Grad ist als rote Grenze markiert. Links das Cezve im Schnitt mit Füllgrenze bei zwei Dritteln.

Der Vorgang endet knapp unter dem Siedepunkt: Kochen kostet den Schaum.

  1. Kalt ansetzen. Wasser mit der Tasse abmessen, die du später benutzt, und kalt in das Cezve geben. Kaffee und Zucker dazu.
  2. Einmal umrühren. So lange rühren, bis das Pulver vollständig eingesunken und der Zucker gelöst ist. Danach bleibt der Löffel draußen, jedes weitere Rühren zerstört den entstehenden Schaum.
  3. Langsam erhitzen. Kleine Flamme oder niedrige Stufe. Der Aufheizvorgang soll drei bis vier Minuten dauern; schnelle Hitze löst zu wenig aus dem Pulver und treibt den Kaffee sofort über den Rand.
  4. Auf den Schaum achten. Ab etwa 70 °C bildet sich eine feinporige Schaumschicht am Rand, die nach innen wächst.
  5. Erster Aufstieg. Kurz vor dem Sieden steigt der Inhalt sichtbar an. Jetzt das Kännchen sofort abheben und den Schaum mit dem Teelöffel auf die Tassen verteilen.
  6. Zweiter Aufstieg. Das Cezve zurück auf die Hitze stellen, bis der Kaffee erneut steigt, dann endgültig abheben.
  7. Eingießen und ruhen lassen. Langsam an der Tassenwand entlang eingießen, damit der Schaum liegen bleibt. Danach 30 bis 60 Sekunden warten, bis sich der Satz gesetzt hat.

Serviert wird traditionell mit einem Glas Wasser, das den Mund vor dem ersten Schluck neutralisiert, und oft mit einem Stück Lokum.

Der Schaum: woran er hängt

Der köpük ist das Merkmal, an dem türkischer Kaffee gemessen wird. Vier Punkte entscheiden darüber:

  • Langsames Erhitzen. Die Blasen brauchen Zeit, um sich zu bilden. Bei großer Flamme steigt der Kaffee, bevor überhaupt Schaum da ist.
  • Ruhe an der Oberfläche. Nach dem ersten Umrühren wird nicht mehr gerührt.
  • Frisches Pulver. Kaffee gast nach dem Rösten Kohlendioxid aus, und dieses Gas trägt einen Teil des Schaums. Eine Packung, die seit Monaten offen steht, schäumt schwach.
  • Der Zucker. Er erhöht die Viskosität leicht und stabilisiert damit die Blasen. Kaffee ohne Zucker (sade) schäumt etwas weniger, deshalb ist dort langsames Erhitzen umso wichtiger.

Ein verbreiteter Trick für mehr Schaum: Nach dem ersten Aufstieg den Schaum abnehmen, das Kännchen kurz zurückstellen und den Vorgang zweimal wiederholen. Jedes Mal kommt eine weitere Portion Schaum dazu.

Zucker: die vier Stufen

Zucker gehört vor dem Erhitzen ins Kännchen, weil er sich beim langsamen Aufheizen vollständig löst. Nachträgliches Süßen zerstört die Schaumschicht.

BezeichnungZucker je TasseGeschmack
sadeohnekräftig, herb, klarer Röstcharakter
az şekerli½ TLleicht abgerundet
orta1 TLmittelsüß, die häufigste Wahl
çok şekerli2 TLdeutlich süß, dichter Körper

Wenn du für mehrere Personen kochst, die unterschiedlich süß trinken, brauchst du entweder mehrere Durchgänge oder mehrere Kännchen. Genau deshalb fragt man in der Türkei vor dem Kochen, wie jeder seinen Kaffee trinkt.

Bohne und Röstung

Türkischer Kaffee wird traditionell aus mittel bis dunkel gerösteten Arabica-Bohnen zubereitet, oft mit einem kleinen Robusta-Anteil für mehr Körper und Schaum. Sehr helle Spezialitätenröstungen funktionieren ebenfalls, sie schmecken deutlich fruchtiger und schäumen etwas schwächer.

RöstungGeschmack in der TasseSchaum
hellfruchtig, säurebetont, tee-artigeher wenig
mittelausgewogen, nussig, klassischgut
dunkelschokoladig, kräftig, leicht rauchigsehr gut

Fertig gemahlener türkischer Kaffee aus dem Handel liegt fast immer im mittleren bis dunklen Bereich. Weil das Pulver extrem fein ist, vergrößert sich seine Oberfläche stark, und es verliert seine Aromen schneller als grobes Mahlgut. Eine geöffnete Packung sollte deshalb innerhalb von zwei bis drei Wochen aufgebraucht werden, luftdicht verschlossen und dunkel gelagert. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag Kaffee richtig lagern.

Für mehrere Tassen kochen

Die Menge lässt sich sauber hochrechnen, solange das Cezve dazu passt.

TassenKaffeeWasserCezve-Größe
11 gehäufter TL (ca. 7 g)70 ml100–150 ml
22 gehäufte TL (ca. 14 g)140 ml200–250 ml
44 gehäufte TL (ca. 28 g)280 ml400–450 ml

Zwei Punkte ändern sich mit der Menge. Erstens dauert das Erhitzen länger, bei vier Tassen sind fünf bis sechs Minuten normal. Zweitens wird der Schaum beim ersten Aufstieg auf alle Tassen verteilt, bevor der Rest zurück auf die Hitze kommt. Wer das vergisst, hat die erste Tasse mit Schaum und die letzte ohne.

Bei mehr als vier Tassen lohnt sich ein zweiter Durchgang. In einem zu großen Kännchen steigt der Kaffee ungleichmäßig auf, und der Schaum reißt.

Häufige Fehler

  • Zu große Hitze. Der Kaffee kocht über, bevor Schaum entsteht. Kleine Flamme und Geduld sind das ganze Geheimnis.
  • Zu grob gemahlen. Das Pulver liegt als Sand in der Tasse und der Kaffee bleibt dünn.
  • Zu voll gefüllt. Über zwei Dritteln fehlt der Raum, den der aufsteigende Kaffee braucht.
  • Kochen lassen. Ab dem Siedepunkt verschwindet der Schaum in Sekunden, und die Tasse wird hart bitter. Warum Hitze und Kontaktzeit so stark auf die Bitterkeit wirken, steht im Beitrag Kaffee schmeckt bitter.
  • Heiß angesetzt. Mit warmem Wasser bleibt zu wenig Zeit, bis der Kaffee steigt, und das Pulver gibt kaum etwas ab.
  • Sofort getrunken. Ohne die Minute Ruhe schwimmt der Satz mit und der Kaffee wirkt sandig.

Varianten und Herdarten

Griechischer Kaffee wird identisch zubereitet, das Kännchen heißt dort briki. Die Zuckerstufen tragen andere Namen: sketos ohne, metrios mittel, glykos süß.

Arabischer Kaffee (qahwa) verwendet meist hellere Röstungen und wird mit gemahlenem Kardamom gewürzt, teils zusätzlich mit Nelke oder Safran. Er wird gefiltert oder abgesetzt serviert und ist deutlich milder.

Auch beim türkischen Kaffee ist eine Kardamomkapsel im Kännchen verbreitet, mitgekocht und vor dem Eingießen entnommen.

Zur Wärmequelle: Auf Gas und Elektroplatte funktioniert jedes Cezve. Auf Induktion bleibt ein Kupfer- oder Messingkännchen kalt, weil beide Metalle nicht magnetisch sind. Dort brauchst du ein Cezve aus Edelstahl mit magnetischem Boden oder eine Adapterplatte. Traditionell wird türkischer Kaffee über heißem Sand gekocht (kum kahvesi), weil die Sandschicht die Wärme sehr gleichmäßig überträgt.

Fazit

Türkischer Kaffee ist eine Frage der Geduld. Kalt ansetzen, einmal rühren, kleine Flamme und der Blick auf die Oberfläche: Sobald der Kaffee steigt, ist er fertig. Ein gehäufter Teelöffel auf 70 ml Wasser trifft die Stärke, mit der er üblicherweise getrunken wird.

Wer keinen ausreichend feinen Mahlgrad zu Hause hinbekommt, greift zu fertig gemahlenem türkischem Kaffee. Wie stark andere Methoden dosiert werden, zeigt der Beitrag zur Kaffeemenge pro Tasse, und wie lange Kaffee bei welcher Zubereitung im Wasser bleiben darf, steht unter Ziehzeiten je Methode.

Häufige Fragen

Wie bereitet man türkischen Kaffee richtig zu?

Pro Tasse kommen ein gehäufter Teelöffel sehr fein gemahlener Kaffee, rund 70 ml kaltes Wasser und der gewünschte Zucker in das Cezve. Einmal umrühren, bis alles gelöst ist, dann bei kleiner Flamme in drei bis vier Minuten langsam erhitzen. Kurz bevor der Kaffee kocht, steigt er im Kännchen auf: abheben, Schaum verteilen, ein zweites Mal aufsteigen lassen und eingießen.

Welcher Mahlgrad ist für türkischen Kaffee nötig?

Pudrig fein, deutlich feiner als Espresso. Zwischen den Fingern soll das Pulver kaum körnig wirken, ähnlich wie Mehl oder Puderzucker. Nur so löst es sich im Wasser, statt sich als Bodensatz abzusetzen. Die meisten elektrischen Haushaltsmühlen kommen nicht so fein herunter, gemahlener türkischer Kaffee aus der Packung ist deshalb eine gute Abkürzung.

Warum darf türkischer Kaffee nicht kochen?

Beim Sieden platzen die feinen Blasen, die den Schaum tragen, und er verschwindet innerhalb von Sekunden. Gleichzeitig steigt die Extraktion über das Ziel hinaus und der Kaffee wird hart bitter. Deshalb endet der Vorgang bei etwa 95 °C, also genau dann, wenn der Inhalt im Kännchen anfängt zu steigen.

Wie bekomme ich mehr Schaum auf den türkischen Kaffee?

Drei Punkte wirken: kalt ansetzen und langsam erhitzen, das Cezve höchstens zu zwei Dritteln füllen und nach dem ersten Umrühren die Oberfläche in Ruhe lassen. Der Schaum, der sich ab etwa 70 °C bildet, wird beim ersten Aufstieg mit einem Löffel abgenommen und auf die Tassen verteilt, bevor der Rest ein zweites Mal aufsteigt.

Wie viel Kaffee und Wasser brauche ich pro Tasse?

Eine türkische Tasse fasst rund 70 ml. Darauf kommt ein gehäufter Teelöffel Kaffee, das entspricht etwa 7 g. Das Verhältnis liegt damit bei rund 1:10 und ist deutlich stärker als Filterkaffee mit 1:16. Miss das Wasser mit der Tasse ab, die du später benutzt, dann stimmt die Menge im Kännchen automatisch.

Was bedeuten sade, az şekerli, orta und çok şekerli?

Das sind die vier Zuckerstufen, die vor dem Erhitzen festgelegt werden. Sade ist ohne Zucker, az şekerli bekommt etwa einen halben Teelöffel, orta einen und çok şekerli zwei Teelöffel pro Tasse. Nachträgliches Süßen zerstört den Schaum, deshalb wird der Zucker immer mitgekocht.

Trinkt man den Kaffeesatz mit?

Nein, der Satz bleibt in der Tasse. Nach dem Eingießen lässt man den Kaffee 30 bis 60 Sekunden stehen, damit sich das Pulver setzt. Getrunken wird bis kurz über den Bodensatz, der letzte Schluck bleibt stehen. Traditionell wird die geleerte Tasse anschließend zum Kaffeesatzlesen umgedreht.

Funktioniert ein Kupfer-Cezve auf dem Induktionsherd?

Kupfer und Messing reagieren nicht auf das Magnetfeld, deshalb bleibt ein klassisches Cezve auf Induktion kalt. Es gibt zwei Wege: ein Cezve aus Edelstahl mit magnetischem Sandwichboden oder eine Induktions-Adapterplatte, auf die das Kupferkännchen gestellt wird. Auf Gas und Elektroplatte funktioniert jedes Material.

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