Die drei Standardsorten: Kosta, Rondo, Mona
Röstkaffee gab es in der DDR seit 1957. In den 1970er-Jahren stellten sieben Röstereien dieselben drei Hauptsorten her: Kosta, Rondo und Mona. Die Namen standen damit für Sorten, die mehrere Röstereien herstellten. Die Wort- und Bildmarken Rondo und Mona waren seit 1960 für den VEB Kaffee- und Nährmittelwerke Halle eingetragen.
| Sorte | Einordnung | Preis je 125 g |
|---|---|---|
| Kosta | einfachste Sorte, bis Juli 1977 | 7,50 Mark |
| Rondo | mittlere Sorte | laut Wikipedia 12,5 % über Kosta |
| Mona | gehobene Sorte | laut Wikipedia 25 % über Kosta |
| Kaffee-Mix | 51 % Bohnenkaffee, ab August 1977 | 4,00 Mark |
Für alle drei Sorten zusammen nennt die Chronik von Röstfein eine Spanne von 30 bis 40 Mark je 500 Gramm, also 7,50 bis 10 Mark für das übliche 125-Gramm-Päckchen. Kosta war die günstigste, Mona die teuerste der drei.
Die Röstfein-Chronik nennt die drei Sorten ausdrücklich Luxusartikel. Trotzdem gehörte Kaffee zum Alltag: In den 1970er-Jahren lag der Verbrauch bei 3,6 Kilogramm pro Kopf und Jahr, und die DDR-Bürger gaben zusammen 3,3 Milliarden Mark jährlich für Kaffee aus. Das war fast so viel wie für Möbel und nahezu doppelt so viel wie für Schuhe.
Mocca Fix und Im Nu
Neben den drei Sorten gab es zwei Produkte für besondere Zubereitungen.
Mocca Fix war ein Kaffee für die Mokka-Zubereitung. Das Deutsche Historische Museum verwahrt eine Packung „Mocca Fix Gold“ aus der Zeit um 1990: 125 Gramm in Aluminiumfolie, braun und gold bedruckt, als Hersteller stehen das Konsum-Kaffeewerk Röstfein Magdeburg und die Betriebe des VEB Kombinat Nahrungsmittel und Kaffee Halle darauf.
Im Nu war ein lösliches Produkt in der Pappdose. Bei der Zusammensetzung widersprechen sich die Quellen: Manche beschreiben Im Nu als löslichen Bohnenkaffee, andere als löslichen Malzkaffee, das ostdeutsche Gegenstück zu Caro. Belastbar ist, dass Röstfein die Marke nach der Wende zurückholte und heute als „Im Nu Original“ verkauft.
Ersatzkaffee aus Getreide und Zichorie, umgangssprachlich Muckefuck, war in der DDR ohnehin verbreitet. Das Magdeburger Werk, aus dem später Röstfein wurde, hatte vor 1945 die Malzkaffees „Kneipp Malzkaffee“ und „Linde“ produziert und führte die Malzkaffee-Herstellung nach dem Krieg zunächst weiter.
Warum Kaffee in der DDR knapp war
Kaffee wächst in Ländern, die Dollar oder andere frei handelbare Währungen verlangen. Die DDR musste jede Tonne Rohkaffee mit Devisen bezahlen, und die waren dauerhaft knapp. Die ersten Importe nach dem Krieg liefen über die Sowjetunion. Als diese Lieferungen 1954 endeten, kam es zu einer ersten Versorgungskrise.
Ein großer Teil des Bedarfs kam deshalb von außen: Schätzungen zufolge stammten 20 bis 25 Prozent des gesamten Kaffeeverbrauchs der Jahre 1975 bis 1977 aus dem klassischen Westpaket. Kaffee war das Geschenk schlechthin, das die Verwandtschaft aus der Bundesrepublik schickte. Wer selbst Westgeld hatte, konnte westdeutsche Marken im Intershop kaufen, den staatlichen Läden, die nur gegen Devisen verkauften.

Vom Ende der sowjetischen Lieferungen bis zur Rückkehr der Marken: Kernstück ist das Krisenjahr 1977 mit dem Kaffee-Mix.
1977: die Kaffeekrise und der Kaffee-Mix
Nach einer Missernte in Brasilien in der Saison 1975/76 stiegen die Weltmarktpreise für Kaffee drastisch. Für die DDR bedeutete das laut Wikipedia, statt rund 150 Millionen fast 700 Millionen Valutamark pro Jahr für Kaffeeimporte aufbringen zu müssen, etwa 300 Millionen Dollar. Gleichzeitig wurde Erdöl teurer, und die SED-Führung brauchte ihre Devisen dafür.
Die Reaktion kam im Sommer 1977:
- Ende Juli 1977 verschwand die billigste Sorte Kosta aus den Regalen. Rondo und Mona gab es weiter zu unveränderten Preisen.
- Am 1. August 1977 kam der Kaffee-Mix in den Handel. Er enthielt nur 51 Prozent Röstkaffee, der Rest bestand aus Ersatzstoffen: geröstetes Getreide wie Roggen und Gerste, Erbsen, Zichorie und getrocknete Zuckerrübenschnitzel. Der Preis: 4 Mark für 125 Gramm. Hersteller war laut Berliner Zeitung die VENAG in Halle, die Rezeptur stammte vom Institut für Getreidewirtschaft in Potsdam-Rehbrücke.
- Im September 1977 hob die DDR die Höchstmenge für Kaffee in Geschenkpaketen und im Reisegepäck aus der Bundesrepublik auf. Der Zoll hatte schon vorher die Anweisung, bei Kaffee großzügig wegzusehen.
Der Kaffee-Mix fiel bei der Bevölkerung durch. Spottnamen machten die Runde: „Erichs Krönung“ spielte auf Erich Honecker und die westdeutsche Marke Jacobs Krönung an, „Edescho“ stand für „Erichs Devisenschoner“ in Anspielung auf Eduscho. Auch technisch machte die Mischung Ärger: Das beigemischte Erbsenmehl quoll in den Kaffeemaschinen der Gastronomie unter Druck und Hitze auf und verstopfte die Siebe.
Viele deckten sich daraufhin mit Rondo und Mona ein. Der Absatz von Bohnenkaffee stieg laut Berliner Zeitung sogar um 8,5 Prozent. Nach etwa einem Jahr wurde die Produktion des Kaffee-Mix eingestellt, die Preise am Weltmarkt hatten sich bis dahin wieder normalisiert.
Die Spur nach Vietnam
Die Krise veränderte die Außenpolitik der DDR. Sie setzte stärker auf Tauschgeschäfte: Lastwagen vom Typ W 50 gingen nach Angola, Rüstungsgüter nach Äthiopien, zurück kam Rohkaffee.
Die folgenreichste Verbindung entstand mit Vietnam. In zwei Regierungsabkommen von 1980 und 1986 lieferte die DDR Maschinen, Lastwagen, Bewässerungstechnik und ein Wasserkraftwerk. Vietnam vergrößerte die Anbaufläche von 600 auf 8.600 Hektar. Im Gegenzug sollte die DDR 20 Jahre lang die Hälfte der Ernte bekommen. Angebaut wurde Robusta, der schneller wächst, mehr Koffein enthält und im Hochland gut gedeiht. Wie sich Robusta von Arabica unterscheidet, steht im Beitrag zu Arabica und Robusta.
Kaffeepflanzen brauchen bis zur ersten vollen Ernte Jahre. Die erste verwertbare Ernte war für 1990 geplant, also für das Jahr, in dem die DDR endete. Vietnam stieg danach zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten der Welt nach Brasilien auf, Deutschland gehört zu den größten Abnehmern.
Was aus den DDR-Röstereien wurde
Nach 1990 brach der Absatz ostdeutscher Marken ein, die sieben Röstereien kämpften ums Überleben. Übrig blieb nur das Werk in Magdeburg. Es röstete seit 1982 im Wirbelschicht-Verfahren: Die Bohnen schweben beim Rösten in heißem Dampf. In der klassischen Trommel verbrannte stets ein Teil des Rohkaffees, das neue Verfahren sparte genau diesen Anteil ein. Es war aus der Knappheit entstanden und hielt die Rösterei nach der Wende wettbewerbsfähig.
1994 wurde daraus die Röstfein Kaffee GmbH. 1997 kaufte Röstfein die Marken Rondo und Mona vom Rechtsnachfolger des VEB Kaffee- und Nährmittelwerke Halle und brachte in den folgenden Jahren auch Mocca Fix und Im Nu zurück.
DDR-Kaffee heute kaufen
Laut Röstfein-Sortiment gibt es heute unter anderem diese Sorten:
| Marke | heutige Sorten |
|---|---|
| Rondo | Original, Entkoffeiniert, Crema, Espresso, Bio, Cappuccino |
| Mona | Mona |
| Mocca Fix | Mocca Fix Gold |
| Im Nu | Im Nu Original |
| weitere | Café Mokka, Café Mild |
Rondo ist das absatzstärkste Produkt der Rösterei und eines der bekanntesten ostdeutschen Genussmittel überhaupt. Wer an den Kaffee von damals anknüpfen will, greift zu den Namen, die es schon in der DDR gab: Rondo, Mona oder Mocca Fix Gold.
Fazit
Die Kaffeesorten der DDR lassen sich an einer Hand abzählen: Kosta, Rondo und Mona als Röstkaffee in drei Preisstufen, Mocca Fix für den Mokka, Im Nu als lösliches Produkt. Bekanntester Ausreißer ist der Kaffee-Mix von 1977, der als „Erichs Krönung“ in die Geschichte einging und nach rund einem Jahr wieder verschwand.
Wer den Geschmack von damals sucht, findet Rondo, Mona und Mocca Fix Gold bis heute im Handel, gefertigt in der einzigen DDR-Rösterei, die die Wende überstanden hat.
Häufige Fragen
Welche Kaffeesorten gab es in der DDR?
Die drei Standardsorten für Röstkaffee hießen Kosta, Rondo und Mona, hergestellt in sieben Röstereien. Dazu kamen Mocca Fix für die Mokka-Zubereitung, Im Nu als lösliches Produkt und ab August 1977 für rund ein Jahr der Kaffee-Mix mit 51 Prozent Bohnenkaffee. Westkaffee kam über Pakete aus der Bundesrepublik und gegen Devisen aus dem Intershop.
Was kostete Kaffee in der DDR?
Die billigste Sorte Kosta kostete 7,50 Mark für 125 Gramm. Rondo und Mona lagen laut Wikipedia um 12,5 beziehungsweise 25 Prozent darüber. Die Röstfein-Chronik nennt für die drei Sorten 30 bis 40 Mark je 500 Gramm. Der Kaffee-Mix kostete 4 Mark für 125 Gramm.
Was war Erichs Krönung?
Der Spottname für den Kaffee-Mix, den die DDR ab dem 1. August 1977 verkaufte. Er bestand zu 51 Prozent aus Röstkaffee, der Rest waren Ersatzstoffe wie geröstetes Getreide, Erbsen und Zichorie. Der Name spielt auf Erich Honecker und die westdeutsche Marke Jacobs Krönung an. Ein zweiter Spottname war Edescho, kurz für Erichs Devisenschoner.
Warum gab es 1977 eine Kaffeekrise in der DDR?
Nach einer Missernte in Brasilien in der Saison 1975/76 stiegen die Weltmarktpreise stark. Statt rund 150 Millionen hätte die DDR fast 700 Millionen Valutamark pro Jahr für Kaffee ausgeben müssen. Die SED-Führung sparte Devisen, strich die billigste Sorte Kosta und brachte den gestreckten Kaffee-Mix auf den Markt.
Gibt es DDR-Kaffee heute noch zu kaufen?
Ja. Die Magdeburger Rösterei Röstfein kaufte 1997 die Marken Rondo und Mona und brachte nach und nach auch Mocca Fix und Im Nu zurück. Im Sortiment stehen heute unter anderem Rondo Original, Mona, Mocca Fix Gold und Im Nu Original.
Wie viel Kaffee tranken die Menschen in der DDR?
In den 1970er-Jahren lag der Verbrauch bei rund 3,6 Kilogramm Bohnenkaffee pro Kopf und Jahr. Insgesamt gaben die DDR-Bürger 3,3 Milliarden Mark pro Jahr für Kaffee aus, fast so viel wie für Möbel. Etwa ein Fünftel des Bedarfs deckten Geschenke aus Westpaketen.