Kaffeemaschine: kaltes oder warmes Wasser einfüllen?

Warum in den Tank kaltes Wasser gehört: die Blasenpumpe braucht den Temperatursprung, die Brühzeit hängt daran, und Warmwasser aus der Leitung ist für Lebensmittel ungeeignet.

Kaffeemaschinen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Was die Hersteller vorschreiben
  2. Warum die Filtermaschine den Temperatursprung braucht
  3. Was die kürzere Brühzeit mit dem Kaffee macht
  4. Warum Warmwasser aus der Leitung ausscheidet
  5. Stagnationswasser: die Vier-Stunden-Regel
  6. Vollautomat und Siebträger: dort gilt es doppelt
  7. Welches Wasser sonst in den Tank darf
  8. Was sich beim Strom wirklich ändert
  9. Die Ausnahme: Zubereitung ohne eigene Heizung
  10. Fazit
  11. Häufige Fragen

In jeder Bedienungsanleitung steht derselbe Satz, und kaum jemand liest ihn zu Ende: kaltes Wasser einfüllen. Wer morgens Zeit sparen will, greift trotzdem zum Warmwasserhahn oder kippt Reste aus dem Wasserkocher in den Tank. Diese Seite erklärt, was dabei technisch passiert, warum die Tasse darunter leidet und an welcher Stelle das Trinkwasser selbst zum Thema wird.

Was die Hersteller vorschreiben

Die Formulierungen ähneln sich über alle Marken hinweg. Melitta weist in den Gebrauchsanleitungen seiner Filterkaffeemaschinen an, die gewünschte Menge frisches, kaltes Wasser in den Wassertank zu füllen, gemessen an der Skalierung am Tank. Bei Kaffeevollautomaten steht dieselbe Anweisung, dort ergänzt um den Hinweis auf frisches Trinkwasser bis zur MAX-Markierung.

Was in den Anleitungen selten steht, ist die Begründung. Sie hat zwei Teile: Der eine liegt in der Technik der Maschine, der andere im Wasser aus der Leitung.

Warum die Filtermaschine den Temperatursprung braucht

Eine Filterkaffeemaschine hat keine Pumpe im eigentlichen Sinn. Sie arbeitet nach dem Prinzip der Blasenpumpe, und dieser Ablauf setzt kaltes Wasser voraus:

  1. Aus dem Tank läuft das Wasser über einen Schlauch nach unten in das Heizrohr, das unter der Bodenplatte sitzt.
  2. Ein Rückschlagventil lässt es nur in diese Richtung passieren.
  3. Im Heizrohr erhitzt ein Heizelement das Wasser, bis sich Dampfblasen bilden. Der Dampfdruck schließt das Rückschlagventil.
  4. Der Druck schiebt die Wassersäule durch das Steigrohr nach oben zum Brühkopf, von wo sie über das Kaffeemehl tropft.
  5. Fällt der Druck ab, öffnet das Ventil, kaltes Wasser fließt nach, und der Takt beginnt von vorn.
Schnittzeichnung einer Filterkaffeemaschine mit dem Weg des Wassers in fünf nummerierten Stationen. Links steht der Wassertank mit kaltem Wasser bei etwa 15 Grad, von dort führt ein Schlauch nach unten zum Rückschlagventil, das nur in eine Richtung öffnet. Darunter liegt das Heizrohr im Querschnitt mit dem Heizelement und aufsteigenden Dampfblasen, in dem das Wasser auf 90 bis 96 Grad erhitzt wird. Der Dampfdruck schließt das Ventil und drückt die Wassersäule durch das Steigrohr nach oben zum Brühkopf, von dem das Wasser auf das Kaffeemehl im Filter tropft und als fertiger Kaffee in die Kanne läuft. Eine Temperaturskala am Rand ordnet den Stationen ihre Temperatur zu. Ein Hinweiskasten stellt gegenüber, wie sich der Takt bei vorgewärmtem Wasser verändert: Die Dampfblasen bilden sich früher, das Ventil taktet schneller, die Wassersäule durchläuft das Kaffeemehl in kürzerer Zeit, während die Brühtemperatur unverändert vom Heizrohr bestimmt wird.

Die Brühtemperatur entsteht im Heizrohr. Vorgewärmtes Wasser verkürzt nur den Takt und damit die Zeit im Kaffeemehl.

Dieser Taktbetrieb erklärt das gluckernde Geräusch während des Brühens. Er erklärt auch, warum vorgewärmtes Wasser den Ablauf verändert: Die Blasenbildung setzt früher ein, die Takte folgen dichter aufeinander, und das Wasser ist schneller durch.

Was die kürzere Brühzeit mit dem Kaffee macht

Die Temperatur, mit der das Wasser auf dem Kaffeemehl ankommt, gibt das Heizelement vor. Sie liegt bei rund 90 bis 96 Grad, und daran ändert die Einfülltemperatur nichts. Was sich ändert, ist die Kontaktzeit.

Aromastoffe, Säuren und Bitterstoffe lösen sich in einer bestimmten Reihenfolge aus dem Kaffeemehl. Zuerst kommen Säuren und leichte Aromen, danach die Substanzen, die für Körper und Süße sorgen, zuletzt die Bitterstoffe. Wird der Durchlauf verkürzt, bricht die Extraktion in der ersten Phase ab. Das Ergebnis schmeckt dünn, säuerlich und wässrig.

Genau derselbe Fehler entsteht bei zu grobem Mahlgrad, und deshalb wird er oft falsch zugeordnet. Wer mit vorgewärmtem Wasser brüht und dann feiner mahlt, kämpft gegen ein Symptom an. Welche Temperatur die Extraktion überhaupt braucht und wie sich die Fenster je Zubereitungsart unterscheiden, steht im Ratgeber zur Brühtemperatur beim Kaffee.

Warum Warmwasser aus der Leitung ausscheidet

Der zweite Grund hat mit der Maschine nichts zu tun. Das Umweltbundesamt empfiehlt, für die Zubereitung von Lebensmitteln stets frisches Wasser aus dem Kaltwasserhahn zu verwenden. Warmwasser hat sich durch die Zirkulation im Warmwassersystem länger in den Rohren aufgehalten, und je nach Leitungsmaterial können sich Stoffe daraus lösen.

Dazu kommt die Temperatur selbst. Legionellen vermehren sich im lauwarmen Bereich, weshalb das UBA für das Leitungssystem mindestens 55 Grad und am Austritt des Trinkwassererwärmers mindestens 60 Grad empfiehlt. Wasser, das zwischen diesen Werten und der Kaltwassertemperatur liegt, ist der Bereich, in dem solche Keime Bedingungen vorfinden.

Beim Kaffee wird das Wasser zwar auf über 90 Grad erhitzt. Gelöste Metalle aus Rohren und Armaturen verschwinden dabei allerdings nicht, und bei Kaffeevollautomaten steht das Wasser vor dem Erhitzen erst noch im Tank.

Stagnationswasser: die Vier-Stunden-Regel

Auch am Kaltwasserhahn gibt es eine Bedingung. Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung gestanden hat, sollte laut UBA nicht zum Trinken oder für die Zubereitung von Speisen verwendet werden. Das betrifft genau die Situation am Morgen, wenn über Nacht niemand Wasser gezapft hat.

Die Lösung braucht keine Technik: Hahn aufdrehen und laufen lassen, bis das Wasser spürbar kühler wird. Das ist das verlässliche Zeichen, dass frisches Wasser aus der Steigleitung nachkommt, weil Stagnationswasser die Temperatur des Raums angenommen hat. Das abgelaufene Wasser eignet sich weiterhin für Blumen oder zum Putzen.

Wer den Tank abends füllt, hat dasselbe Problem im Gerät. Wasser, das über Nacht im Tank steht, ist am Morgen Stagnationswasser, und im Vollautomaten bildet sich darin mit der Zeit ein Belag. Wie sich das vermeiden lässt und woran Du einen Befall erkennst, steht im Beitrag zu Schimmel in der Kaffeemaschine.

Vollautomat und Siebträger: dort gilt es doppelt

Bei Maschinen mit Thermoblock oder Boiler entfällt das Argument der Blasenpumpe. Dafür kommen andere Gründe dazu:

  • Der Tank steht offen herum. Warmes Wasser bei Zimmertemperatur ist eine bessere Grundlage für Biofilm als kaltes. Der Tank wird ohnehin täglich frisch gefüllt.
  • Der Wasserfilter verträgt keine Wärme. Die Patronen arbeiten mit Aktivkohle und Ionenaustauscherharz, ausgelegt für kaltes Trinkwasser. Wie oft er fällig wird und was beim Wechsel zählt, steht im Ratgeber zum Wasserfilter wechseln.
  • Die Sensorik rechnet mit kaltem Wasser. Vollautomaten steuern ihre Brühtemperatur über Heizzeiten und Temperaturfühler. Warmes Wasser im Tank verschiebt diese Kalkulation.
  • Kalk fällt früher aus. Bereits erwärmtes Wasser hat einen Teil der Karbonathärte schon umgesetzt. Wie die Wasserhärte auf Kaffee und Maschine wirkt, steht im Ratgeber zur Wasserhärte für Kaffee.

Ein Sonderfall ist der Siebträger mit Einkreiser. Dort wird das Wasser im Boiler gehalten, und der Tank ist reines Vorratsvolumen. Auch hier bleibt es bei kaltem Frischwasser, aus denselben hygienischen Gründen.

Welches Wasser sonst in den Tank darf

Mit der Temperatur ist die Frage nach dem Wasser nur halb beantwortet. Krups beschreibt in seinen Hinweisen zu Kaffeevollautomaten, welche Sorten geeignet sind, und schließt dabei zwei Fälle aus:

WasserEignungGrund
Leitungswasser, kalt und frischgeeignet„perfekt geeignet, solange es frei von Gerüchen ist” (Krups)
Stilles Wasser aus der Flaschegeeignet„Wasser aus der Flasche ist ebenfalls geeignet” (Krups)
Gekühltes Wasser aus dem Kühlschrankungeeignetwirkt sich laut Krups auf die Temperatur des Getränks aus
Warmes Wasserungeeignetdieselbe Begründung, dazu die Trinkwasser-Frage
Wasser mit Kohlensäureungeeignetgelöstes CO₂ im Heizsystem, meist zudem viel Hydrogencarbonat
Destilliertes Wasserungeeignetohne gelöste Mineralien fehlt dem Kaffee die Grundlage für die Extraktion

Bemerkenswert ist der dritte Punkt: Krups rät ausdrücklich davon ab, gekühltes oder warmes Wasser zu verwenden, weil beides sich auf die Temperatur des Getränks auswirken kann. Der Zielbereich ist also Leitungstemperatur, ungefähr 10 bis 20 Grad.

Für Standzeiten gibt derselbe Hersteller eine klare Regel: immer frisches Wasser verwenden und das Wasser wechseln, wenn das System länger als zwei Tage nicht benutzt wurde. Was das gelöste Mineral im Wasser mit dem Geschmack macht und warum der Zielkorridor zwischen 2 und 8 °dH liegt, steht im Ratgeber zur Wasserhärte für Kaffee.

Was sich beim Strom wirklich ändert

Das Zeitargument klingt plausibel, das Energieargument hält nicht. Die Wärmemenge für eine bestimmte Wassermenge steht physikalisch fest:

RechnungWert
Wassermenge1 Liter
Temperatursprung15 °C auf 93 °C, also 78 Kelvin
Benötigte Energierund 0,09 kWh
Kosten bei 35 ct/kWhgut 3 Cent

Ob diese Energie im Wasserkocher oder im Heizrohr anfällt, verschiebt die Summe nur um die Wirkungsgrad-Unterschiede der beiden Geräte. Ein Wasserkocher arbeitet etwas verlustärmer, weil er kein Steigrohr und keine Kanne mit aufheizt, in der Größenordnung von wenigen Cent je Liter geht dieser Vorteil allerdings unter.

Der eigentliche Stromfresser einer Filterkaffeemaschine ist die Warmhalteplatte. Sie läuft weiter, wenn der Kaffee längst fertig ist, und verschlechtert dabei den Geschmack, weil der Kaffee auf der Platte nachbittert. Eine Maschine mit Thermoskanne umgeht beides.

Die Ausnahme: Zubereitung ohne eigene Heizung

Bei allen Methoden, bei denen Du das Wasser selbst aufgießt, dreht sich das Bild um. Dort gibt es keine Heizung im Gerät, also muss das Wasser die Brühtemperatur schon mitbringen:

  • Handfilter und French Press: kochendes Wasser rund eine Minute stehen lassen, dann liegt es im Zielfenster von 92 bis 96 Grad.
  • Mokkakanne: Viele füllen bewusst heißes Wasser ins Unterteil. Das verkürzt die Zeit, in der das Kaffeemehl im Trichter von unten erhitzt wird, und der Kaffee schmeckt weniger nach Kochtopf.
  • Cold Brew: der umgekehrte Fall, hier gehört kaltes Wasser dazu, und die Extraktion übernimmt die Zeit.

In allen drei Fällen kommt das Wasser trotzdem aus der Kaltwasserleitung und wird anschließend erhitzt. Der Unterschied liegt allein darin, wo das Aufheizen stattfindet.

Fazit

In den Tank gehört frisches, kaltes Wasser aus der Kaltwasserleitung, und dafür gibt es zwei voneinander unabhängige Gründe. Technisch braucht die Filtermaschine den Temperatursprung im Heizrohr, weil ihre Blasenpumpe darüber taktet und die Brühzeit daran hängt. Hygienisch ist Warmwasser aus der Leitung für Lebensmittel ungeeignet, weil es länger in den Rohren stand.

Die praktische Regel für den Morgen besteht aus zwei Handgriffen: Wasser kurz laufen lassen, bis es kühler wird, dann den Tank füllen. Wer Zeit sparen will, setzt an einer anderen Stelle an, etwa bei einer Maschine mit Timer. Am Wasser selbst ist wenig zu gewinnen und einiges zu verlieren. Wie viel Kaffeemehl dann auf welche Wassermenge gehört, steht im Ratgeber zu Kaffeemenge pro Tasse.

Häufige Fragen

Soll ich kaltes oder warmes Wasser in die Kaffeemaschine füllen?

Kaltes Wasser aus der Kaltwasserleitung. Die Bedienungsanleitungen der Hersteller schreiben es so vor, Melitta formuliert es als "frisches, kaltes Wasser in den Wassertank". Dahinter stehen zwei Gründe: Die Blasenpumpe einer Filtermaschine arbeitet über den Temperatursprung im Heizrohr, und Warmwasser aus der Leitung ist für die Zubereitung von Lebensmitteln ungeeignet.

Geht die Kaffeemaschine kaputt, wenn ich warmes Wasser einfülle?

Ein einzelner Durchgang mit lauwarmem Wasser beschädigt eine Filtermaschine im Regelfall nicht. Was sich ändert, ist der Ablauf: Das Wasser erreicht die Blasenbildung früher, der Durchlauf beschleunigt sich und der Kaffee steht kürzer im Kaffeemehl. Bei Vollautomaten und Siebträgern kommt hinzu, dass Sensorik und Wasserfilter auf kaltes Wasser ausgelegt sind.

Wird der Kaffee schneller fertig, wenn ich warmes Wasser nehme?

Etwas schneller, und das ist genau das Problem. Die Brühtemperatur entsteht im Heizrohr und liegt unabhängig von der Einfülltemperatur bei rund 90 bis 96 Grad. Verkürzt wird die Kontaktzeit im Kaffeemehl, und daraus wird ein dünner, säuerlicher Kaffee, weil die Extraktion unvollständig bleibt.

Warum soll man kein Warmwasser aus der Leitung trinken?

Das Umweltbundesamt rät dazu, für die Zubereitung von Lebensmitteln stets frisches Wasser aus dem Kaltwasserhahn zu nehmen. Warmwasser zirkuliert länger im Leitungssystem, und je nach Leitungsmaterial können sich Stoffe lösen. Dazu kommt der Temperaturbereich zwischen kalt und heiß, in dem sich Legionellen vermehren.

Spare ich Strom, wenn ich vorgewärmtes Wasser einfülle?

Kaum. Die Wärmemenge steht physikalisch fest: Ein Liter Wasser von 15 auf 93 Grad zu bringen kostet rund 0,09 Kilowattstunden, bei 35 Cent je Kilowattstunde also gut 3 Cent. Ob diese Energie im Wasserkocher oder im Heizrohr der Kaffeemaschine anfällt, ändert an der Summe wenig. Der größere Hebel liegt bei Filtermaschinen in der Warmhalteplatte.

Wie lange darf Wasser in der Leitung gestanden haben?

Das Umweltbundesamt nennt vier Stunden als Grenze: Wasser, das länger in der Leitung stand, sollte nicht zum Trinken oder für die Zubereitung von Speisen verwendet werden. Lass es einfach ablaufen, bis es spürbar kühler aus dem Hahn kommt. Das ist das Zeichen, dass frisches Wasser aus der Steigleitung nachkommt.

Gilt das auch für den Kaffeevollautomaten?

Ja, und dort noch etwas strenger. Der Tank eines Vollautomaten steht bei Zimmertemperatur, und warmes Wasser beschleunigt die Bildung von Biofilm an den Innenwänden. Außerdem arbeiten die Wasserfilter mit Ionenaustauscherharz, das für kaltes Wasser ausgelegt ist. Die Maschine erhitzt ohnehin portionsweise im Thermoblock.

Und bei Handfilter, French Press und Mokkakanne?

Dort gießt Du bewusst heißes Wasser auf, weil keine Heizung dazwischenliegt. Das Zielfenster liegt bei 92 bis 96 Grad, also kochendes Wasser rund eine Minute stehen lassen. Die Mokkakanne ist der Sonderfall: Viele füllen heißes Wasser ins Unterteil, damit das Kaffeemehl nicht so lange erhitzt wird.

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