Espressokocher: Crema erzeugen, was wirklich geht

Warum die Mokkakanne mit 1 bar kaum Crema bildet, was ein Cremaventil ändert, und wie die Crema di caffè aus Zucker entsteht. Mit den Grenzen jeder Methode.

Kaffeemaschinen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Was Crema physikalisch ist
  2. Warum die Mokkakanne an dieser Grenze scheitert
  3. Weg 1: Kannen mit Cremaventil
  4. Weg 2: An den Bohnen ansetzen
  5. Weg 3: Die Crema di caffè aus Zucker
  6. Was nicht funktioniert
  7. Was die Mokkakanne stattdessen kann
  8. Wie wichtig Crema überhaupt ist
  9. Fazit
  10. Häufige Fragen

Auf Produktfotos von Mokkakannen liegt regelmäßig eine dichte, haselnussbraune Haube auf dem Kaffee. In der eigenen Küche bleibt die Oberfläche meist glatt und dunkel. Dahinter steckt eine physikalische Grenze, die sich klar benennen lässt und mit der Kanne selbst wenig zu tun hat. Dieser Artikel erklärt sie und zeigt, welche drei Wege trotzdem zu einer Schaumschicht führen.

Was Crema physikalisch ist

Crema sieht aus wie Milchschaum, entsteht aber auf einem anderen Weg. Sie ist eine Emulsion aus drei Bestandteilen: feinste Gasbläschen, Kaffeeöle und Wasser, zusammengehalten von gelösten Stoffen aus der Bohne.

Das Gas dafür bringt die Bohne selbst mit. Beim Rösten entsteht im Inneren Kohlendioxid, das dort teilweise eingeschlossen bleibt. Frisch gerösteter Kaffee gast über Wochen langsam aus, ein deutlich sichtbarer Rest bleibt aber im Mahlgut.

Der zweite Bestandteil ist der Druck. Unter den rund 9 bar einer Siebträgermaschine löst sich dieses Kohlendioxid im heißen Wasser, ähnlich wie Kohlensäure in einer geschlossenen Flasche. Verlässt der Kaffee das Sieb, fällt der Druck schlagartig auf Umgebungsniveau. Das gelöste Gas kann nicht gelöst bleiben und perlt in Millionen winziger Bläschen aus. Gleichzeitig zerschlägt der Druckabfall die Kaffeeöle in feinste Tröpfchen, und diese Öle umhüllen die Bläschen und halten sie stabil.

Beides zusammen ergibt die dichte, tragfähige Schicht. Nimmt man eine der beiden Zutaten weg, bleibt bestenfalls Schaum, der sofort wieder zerfällt.

Warum die Mokkakanne an dieser Grenze scheitert

Der Espressokocher arbeitet nach einem völlig anderen Prinzip. Im geschlossenen Unterteil wird Wasser erhitzt, der entstehende Wasserdampf baut Druck auf und drückt das Wasser durch das Steigrohr nach oben durch das Kaffeebett.

Dieser Dampfdruck liegt bei etwa 1 bis 1,5 bar, verbreitet wird er in diesem Bereich angegeben. Das Sicherheitsventil an der Kesselwand ist üblicherweise auf einen Öffnungsdruck um 3 bar ausgelegt und begrenzt das Ganze nach oben.

MethodeDruck am KaffeeCrema
Handfilterdruckloskeine
French Pressdruckloskeine
Espressokocherca. 1 bis 1,5 bardünne, kurzlebige Schicht
Espressokocher mit Cremaventilgeschätzt 2 bis 3 barsichtbare Schaumhaube
Siebträger, Vollautomatca. 6 bis 9 bardichte, stabile Crema

Der Unterschied ist damit ein Sprung um den Faktor sechs. Bei gut einem bar bleibt zu wenig Gas im Wasser gelöst, und die Ölemulsion entsteht kaum. Der Kaffee tritt oben am Kamin fast drucklos aus, anstatt schlagartig zu entspannen. Mehr zu den Druckniveaus der Zubereitungsarten steht im Ratgeber Espressomaschine: wie viel Bar sind wirklich nötig.

Weg 1: Kannen mit Cremaventil

Der einzige konstruktive Ansatz sitzt im Oberteil. Dort wird der Auslauf des Steigrohrs mit einem beweglichen Gewicht oder einer Feder verschlossen. Der aufsteigende Kaffee staut sich darunter auf.

Erst wenn sein Druck ausreicht, das Gewicht anzuheben, öffnet sich der Weg, und der Kaffee schießt durch eine enge Ringöffnung nach oben. Genau dieser plötzliche Druckabfall an der Engstelle erzeugt Schaum, nach demselben Prinzip wie das Öffnen einer geschüttelten Sprudelflasche.

Gegenüberstellung zweier Schnittzeichnungen durch das Oberteil einer Mokkakanne, dazu eine Druckskala. Links das offene Steigrohr einer klassischen Kanne: Der Kaffee steigt durch das Rohr auf und tritt oben am Kamin frei aus, ein gestrichelter Pfeil zeigt den ungebremsten Weg, die Oberfläche des Kaffees in der Kanne bleibt glatt und dunkel. Die Beschriftung nennt rund ein bis anderthalb bar und keinen nennenswerten Druckabfall. Rechts dasselbe Oberteil mit Cremaventil: Über der Mündung des Steigrohrs sitzt ein bewegliches Gewicht, das den Auslauf verschließt. Darunter staut sich der Kaffee, bis er das Gewicht anhebt und durch eine enge Ringöffnung schlagartig austritt. Aufsteigende Bläschen bilden auf dem Kaffee eine helle Schaumschicht. Die Beschriftung nennt geschätzte zwei bis drei bar Staudruck. Unter beiden Schnitten eine waagerechte Druckskala von null bis zehn bar mit drei Markierungen: Espressokocher bei ein bis anderthalb bar, Cremaventil bei zwei bis drei bar und Siebträger bei sechs bis neun bar, wobei nur der Siebträger-Bereich als Zone für echte Crema gekennzeichnet ist.

Das Cremaventil staut den Kaffee auf und lässt ihn schlagartig austreten. Der Druckabfall erzeugt Schaum, bleibt aber weit unter Siebträger-Niveau.

Die bekannteste Bauart dieser Art ist die Bialetti Brikka, die mit einem Gewichtsventil arbeitet. Daneben gibt es Kannen mit federbelasteten Einsätzen und Nachrüstteile für einzelne Modellreihen.

Was solche Kannen liefern, ist eine sichtbare, helle Schaumhaube, die den Kaffee optisch deutlich verändert. Was sie nicht liefern, ist die dichte, haselnussbraune Crema eines Siebträgers. Die Schicht ist grobporiger und steht etwa ein bis zwei Minuten.

Zwei praktische Punkte gehören dazu: Ventilkannen reagieren empfindlicher auf den Mahlgrad, weil das gestaute System zusätzlichen Widerstand mitbringt. Und das Ventil braucht Pflege, weil eingetrockneter Kaffee die Beweglichkeit des Gewichts einschränkt. Der Ratgeber Espressokocher reinigen beschreibt, wie Ventil und Dichtung sauber bleiben.

Weg 2: An den Bohnen ansetzen

Ohne Gas kein Schaum, und das Gas kommt aus der Röstung. Damit wird das Röstdatum zur wichtigsten Stellschraube, die nichts kostet.

Der Verlauf ist gut beschrieben: Direkt nach dem Rösten gast Kaffee so stark aus, dass Packungen ein Entgasungsventil brauchen. Nach etwa zwei Wochen ist der Kaffee in einem guten Zustand, danach nimmt der Gehalt über Wochen weiter ab. Für Schaum liegt das nutzbare Fenster bei rund zwei bis vier Wochen nach dem Röstdatum.

Daraus folgen ein paar praktische Punkte:

  • Röstdatum statt Mindesthaltbarkeitsdatum lesen. Ein MHD in zwei Jahren sagt nichts darüber, wann geröstet wurde.
  • Ganze Bohnen kaufen und frisch mahlen. Gemahlener Kaffee hat ein Vielfaches der Oberfläche und gast entsprechend schneller aus.
  • Espressoröstungen bevorzugen. Dunklere Röstungen haben eine porösere Struktur und geben mehr Öle ab.
  • Robusta-Anteil hilft. Robusta bringt mehr wasserlösliche Stoffe und Proteine mit, die Schaum stabilisieren. Italienische Espressomischungen enthalten oft 10 bis 40 Prozent. Die Unterschiede beider Arten ordnet der Ratgeber Arabica und Robusta ein.
  • Luftdicht und dunkel lagern, weil Sauerstoff die Öle altern lässt.

Weg 3: Die Crema di caffè aus Zucker

In italienischen Haushalten ist ein dritter Weg verbreitet, der ohne besondere Kanne auskommt. Er erzeugt einen Zuckerschaum, der optisch die Rolle der Crema übernimmt:

  1. Die ersten Tropfen auffangen. Sobald der Kaffee dunkel und dickflüssig aufsteigt, ein bis zwei Teelöffel davon in eine kleine Tasse geben.
  2. Dieselbe Menge Zucker dazugeben, also ein bis zwei Teelöffel.
  3. Kräftig rühren, ein bis zwei Minuten lang. Die dunkle Mischung wird dabei heller, zäh und deutlich voluminöser.
  4. In die Tassen verteilen und den restlichen Kaffee darübergießen.

Beim Aufgießen steigt die Masse nach oben und bildet eine hellbraune Haube. Was dabei entsteht, ist ein durch Rühren geschlagener Schaum aus Zuckersirup und Kaffee. Er ist stabiler als jede echte Crema aus der Mokkakanne und hält mehrere Minuten.

Der offensichtliche Nebeneffekt: Der Kaffee ist damit gesüßt. Wer schwarz trinkt, für den fällt diese Methode aus.

Was nicht funktioniert

Drei Ratschläge halten sich hartnäckig und führen in die falsche Richtung:

Feiner mahlen. Der Gedanke stammt vom Siebträger, wo ein feineres Bett mehr Widerstand und damit Druck erzeugt. In der Mokkakanne fehlt die Pumpe, die diesen Widerstand überwinden könnte. Der Dampfdruck staut sich, das Sicherheitsventil zischt, die Kanne spuckt, und der Kaffee wird bitter. Der Zielbereich bleibt bei etwa 400 bis 600 Mikrometern, wie der Ratgeber Mahlgrad für den Espressokocher beschreibt.

Das Kaffeemehl andrücken. Dasselbe Problem, nur mechanisch erzeugt. Der Trichter wird locker gefüllt und glatt gestrichen, mehr nicht. Die Füllregeln stehen im Ratgeber Espressokocher: wie viel Wasser und wie viel Pulver.

Volle Herdleistung. Schneller erhitzen erhöht den Druck nicht nennenswert, weil das Sicherheitsventil die Obergrenze setzt. Es sorgt nur dafür, dass der Kaffee stoßweise und zu heiß aufsteigt. Mittlere Stufe bleibt richtig.

Was die Mokkakanne stattdessen kann

Der Blick auf die fehlende Crema übersieht leicht, dass die Kanne an anderer Stelle etwas liefert, das Filtermethoden nicht hinbekommen.

Der wichtigste Punkt ist das Metallsieb. Papier hält die Öle des Kaffees weitgehend zurück, ein Metallsieb lässt sie passieren. Diese Öle tragen einen großen Teil dessen, was als Körper und Fülle wahrgenommen wird. Ein Mokkakannen-Kaffee wirkt darum runder und schwerer im Mund als ein Filterkaffee aus denselben Bohnen.

Dazu kommt die Konzentration. Sie liegt zwischen den beiden Extremen:

MethodeVerhältnis Kaffee zu WasserCharakter
Filterkaffeeetwa 1 zu 16leicht, klar, aromatisch
French Pressetwa 1 zu 15vollmundig, mit Satz
Espressokocheretwa 1 zu 7 bis 1 zu 10konzentriert, kräftig
Espressoetwa 1 zu 2sehr konzentriert, sirupartig

Diese Position in der Mitte erklärt, warum sich der Kaffee aus der Mokkakanne so gut mit Milch verträgt. Er bringt genug Substanz mit, um sich gegen aufgeschäumte Milch durchzusetzen, und bleibt dabei trinkbar genug für eine größere Tasse.

Der dritte Punkt ist die moderate Brühtemperatur. Das Wasser steigt unterhalb des Siedepunkts durch das Kaffeebett, weil ein Teil der Energie in den Dampfdruck geht. Zu heiß wird es erst, wenn die Kanne zu lange auf der Platte steht. Mit heißem Startwasser und mittlerer Hitze liegt die Extraktion in einem Bereich, der Bitteres weitgehend draußen lässt.

Wie wichtig Crema überhaupt ist

Zum Schluss eine Einordnung, die den Aufwand relativiert. Crema ist in erster Linie ein Indikator: Eine dichte Schicht zeigt frische Bohnen und einen sauber gelaufenen Bezug an. Als Geschmacksträger spielt sie eine kleine Rolle.

Wer die Crema eines Espressos einmal separat abschöpft und für sich probiert, merkt das sofort: Sie schmeckt deutlich bitter, weil sich dort Bitterstoffe und Öle konzentrieren. Barista rühren sie darum vor dem Trinken unter, statt sie als eigene Schicht zu belassen.

Für die Mokkakanne heißt das: Ein Kaffee ohne Schaumhaube kann geschmacklich hervorragend sein. Die Kanne spielt ihre Stärke über den kräftigen, runden Körper aus, den sie aus einem dicken Kaffeebett bei moderater Temperatur holt.

Fazit

Echte Crema wie aus dem Siebträger liegt außerhalb dessen, was ein Espressokocher leisten kann. Der Grund ist der Druck: Rund ein bar stehen gegen die etwa neun bar, die das gelöste Kohlendioxid zum Ausperlen bringen.

Drei Wege führen trotzdem zu einer Schaumschicht. Eine Kanne mit Cremaventil staut den Kaffee auf und lässt ihn schlagartig austreten. Frische Bohnen mit Robusta-Anteil bringen den Rohstoff dafür mit. Und die Crema di caffè aus Zucker erzeugt eine Haube ganz ohne Druck. Feiner mahlen und festdrücken gehören dagegen zu den Ratschlägen, die das Gegenteil bewirken.

Häufige Fragen

Warum macht mein Espressokocher keine Crema?

Weil der Druck dafür nicht ausreicht. Echte Crema entsteht, wenn im Kaffee gelöstes Kohlendioxid bei einem Druckabfall von rund 9 bar auf Umgebungsdruck schlagartig ausgast und dabei eine Emulsion mit den Kaffeeölen bildet. Ein Espressokocher arbeitet mit etwa 1 bis 1,5 bar. Das ist rund ein Sechstel des Drucks und reicht nur für eine dünne, rasch zerfallende Schaumschicht.

Was ist ein Cremaventil und wie funktioniert es?

Ein Cremaventil sitzt im Oberteil über dem Steigrohr und verschließt den Auslauf mit einem beweglichen Gewicht oder einer Feder. Der aufsteigende Kaffee staut sich darunter, bis sein Druck das Gewicht anhebt. Dann tritt er schlagartig durch eine enge Öffnung aus. Dieser plötzliche Druckabfall erzeugt Schaum, ähnlich dem Effekt beim Öffnen einer Sprudelflasche. Die bekannteste Bauart ist die Bialetti Brikka.

Ist der Schaum aus dem Cremaventil echte Crema?

Er kommt näher heran als alles andere in der Mokkakanne, bleibt aber unterhalb dessen, was ein Siebträger liefert. Die Schaumschicht ist heller, grobporiger und zerfällt nach ein bis zwei Minuten. Der Grund liegt im Druckniveau: Ein Gewichtsventil staut je nach Bauart auf schätzungsweise 2 bis 3 bar auf, ein Siebträger arbeitet mit rund 9 bar. Für den Geschmack zählt das wenig, weil Crema kaum Aroma trägt.

Wie funktioniert der Zuckertrick für Crema di caffè?

Man fängt die ersten dunklen Tropfen aus der Kanne auf, etwa ein bis zwei Teelöffel, gibt dieselbe Menge Zucker dazu und rührt kräftig, bis eine helle, zähe Masse entsteht. Das dauert ein bis zwei Minuten. Diese Masse kommt in die Tasse, darauf wird der restliche Kaffee gegossen. Die entstehende Haube ist ein Zuckerschaum, der den Kaffee zugleich süßt.

Hilft feineres Mahlen für mehr Crema im Espressokocher?

Nein, es schadet eher. Der niedrige Dampfdruck kann ein zu dicht gepacktes Kaffeebett nicht gleichmäßig durchströmen. Typische Folgen sind ein zischendes Sicherheitsventil, eine spuckende Kanne und ein bitterer Kaffee, weil der Aufstieg zu lange dauert. Der Zielbereich liegt zwischen Filterkaffee und Espresso, also bei etwa 400 bis 600 Mikrometern.

Welche Bohnen geben in der Mokkakanne mehr Schaum?

Frisch geröstete Bohnen, idealerweise zwei bis vier Wochen nach dem Röstdatum, weil sie noch das meiste Kohlendioxid enthalten. Mischungen mit Robusta-Anteil schäumen zusätzlich etwas stärker, weil Robusta mehr wasserlösliche Stoffe und Proteine mitbringt, die den Schaum stabilisieren. Vorgemahlener Kaffee aus einer länger offenen Packung liefert dagegen fast keinen Schaum mehr.

Schmeckt Kaffee mit Crema besser?

Crema ist vor allem ein Frischeindikator und kaum ein Geschmacksträger. Für sich genommen schmeckt sie sogar ausgesprochen bitter, weil sich dort Bitterstoffe und Öle konzentrieren. Ihr Wert liegt darin, dass eine dichte Crema auf frische Bohnen und einen sauber gelaufenen Bezug hindeutet. Ein Mokkakannen-Kaffee ohne Crema kann geschmacklich vollkommen in Ordnung sein.

Warum zerfällt die Crema so schnell wieder?

Schaum braucht etwas, das die Bläschenhüllen stabilisiert. Beim Espresso übernehmen das die emulgierten Öle und gelöste Proteine aus dem Kaffee, und selbst dort hält die Crema nur wenige Minuten. Bei niedrigem Druck sind weniger Öle emulgiert und die Bläschen fallen größer aus, große Blasen platzen schneller. Deshalb steht die Schaumschicht aus der Mokkakanne selten länger als ein bis zwei Minuten.

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